Freitag, 2. Dezember 2016

Vergütungen des Bundes sinken erneut

Der Bundesrat senkt im nächsten Jahr in zwei Schritten  die Vergütungssätze für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für Photovoltaik-Anlagen und Kleinwasserkraftwerke. 

Der Photovoltaik-Vergütungssatz wird in zwei Schritten per 1. April und per 1. Oktober 2017 um bis zu 28 Prozent gesenkt und liegt ab dann für angebaute und freistehende Anlagen einheitlich bei 13,7 Rappen und für integrierte Anlagen bei 15,8 Rappen. Die Ansätze der Einmalvergütung (EIV) für kleine Photovoltaikanlagen werden per 1. April 2017 und per 1. April 2018 gesenkt. Für Kleinwasserkraftwerke gelten ab 1. Januar 2017 um bis zu 18% tiefere Grundvergütungen und ein bis zu 50% tieferer Wasserbau-Bonus. Diese und weitere Änderungen hat der Bundesrat am 2. Dezember 2016 in einer Revision der Energieverordnung festgelegt, die per 1. Januar 2017 in Kraft tritt. 

Aufgrund der periodischen Überprüfung der Berechnung der Gestehungskosten sowie der Vergütungssätze der KEV durch das UVEK passt der Bundesrat die Vergütungssätze nötigenfalls den neuen Verhältnissen an. Er berücksichtigt dabei verschiedene Aspekte, wie z.B. die Entwicklung der Technologien, ihre langfristige Wirtschaftlichkeit und die Bedingungen des Kapitalmarkts. 2016 wurden die Vergütungssätze aller Technologien überprüft. Anpassungsbedarf ergab sich bei den KEV-Vergütungssätzen für Photovoltaik und Kleinwasserkraft sowie der EIV für kleine Photovoltaik-Anlagen.

Die Einmalvergütung für Photovoltaik-Anlagen bis zu einer Leistung von 30 kW wird per 1. April 2017 und 1. April 2018 in zwei Schritten abgesenkt. Für angebaute und freistehende Anlagen bleibt der Grundbeitrag unverändert, der Leistungsbeitrag wird in den zwei Schritten um insgesamt 100 Franken/kW abgesenkt. Für integrierte Anlagen sinkt der Grundbeitrag um 200 Franken und der Leistungsbeitrag in zwei Schritten um insgesamt 150 Franken/kW.
Die neuen KEV-Vergütungssätze und Einmalvergütungen gelten für Anlagen, die nach Inkrafttreten der Verordnungsrevision in Betrieb gehen.

Ab 1. Januar 2017 sinkt die Grundvergütung für Kleinwasserkraftwerke je nach Leistungsklasse um 4 bis 18% und der Wasserbau-Bonus um 14 bis 50%. Die neuen Vergütungssätze gelten für Anlagen, die nach Inkrafttreten dieser Verordnungsrevision in Betrieb genommen werden. Nicht betroffen sind Betreiber von Anlagen, die ab dem 1. Januar 2017 in Betrieb gehen, jedoch schon vorher einen positiven Bescheid erhalten und die vollständige erste Projektfortschrittsmeldung eingereicht haben.
Weitere Änderungen, die vom Bundesrat im Rahmen dieser Revision beschlossen wurden, betreffen allgemeine Vollzugsfragen, Präzisierungen zur KEV sowie Anpassungen der Stromversorgungsverordnung.

Zur vorliegenden Revision wurde vom 9. Mai bis 26. August 2016 eine Vernehmlassung durchgeführt. Die Mehrheit der insgesamt 80 eingegangenen Stellungnahmen begrüsst die Anpassungen. Teilweise kritisiert wurden die Überprüfung der Gestehungskosten und die Anpassung der Vergütungssätze. Die Ergebnisse der Vernehmlassung werden in einem Bericht publiziert.

Adresse für Rückfragen
Marianne Zünd, Leiterin Kommunikation BFE
+41 58 462 56 75, +41 79 763 86 11
marianne.zuend@bfe.admin.ch

Herausgeber
Der Bundesrat
https://www.admin.ch/gov/de/start.html

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Montag, 28. November 2016

Nach Stromtagung war am Sonntag die Welt wieder in Ordnung

Ende vergangener Woche fand in Zürich der Kongress Stromtagung Schweiz statt, veranstaltet von der HSG St.Gallen. Die Ausführungen zum Stand der Branche liessen schon befürchten, was sich nach dem Abstimmungswochenende zur Atom-Ausstiegsinitiative (AAI) zur unumstösslichen Tatsache mauserte - es bewegt sich wenig im Schweizer Elektrizitätswesen.

Franco Gola vom deutschen Energieversorger E.ON
präsentierte die Grundlagen des erfolgreichen Einstiegs
ins Solargeschäft, u.a. mit einer Überwachungs-App.
Das ist mitnichten die Feststellung des Beobachters (oder vielleicht auch), sondern vielmehr eines der Referenten, des deutschen Eon-Vertreters Franco Gola. Dieser trat allerdings erst zum Schluss der Veranstaltung an, als die Zuhörer (-innen waren kaum vorhanden), mit ihrer Aufmerksamkeit wohl längst im Wochenende weilten. Aber es hatte es in sich, was der Mann aus Baden-Württemberg sagte. Eigentlich könne er nicht viele Unterschiede ausmachen zwischen deutschen und schweizerischen Verhältnissen - ausser dass hierzulande wohl alles noch einige Jahre brauche. Dortzulande, in deutschen Landen jedenfalls, herrscht Chaos in der Stromwirtschaft, «der Markt wurde über den Haufen geworfen». Wenn auch erste zaghafte Ausbrüche aus diesem zu verzeichnen seien. So gibt es bei E.on, einem der vier Grossen Deutschlands, das zarte Pflänzchen einer Solarabteilung. Diese hat Gola aufgebaut - und er realisiert unterdessen monatlich Dutzende von - man glaubt es kaum - Solaranlagen.

Deutschland hat es diesbezüglich besser, also auch die Solarbranche, weil bereits ein Förderprogramm für Speichersysteme aufgegleist ist. Und damit kann Eon ein wirklich innovatives Produkt anbieten, eine umfassende Solaranlage quasi von der Wiege bis zur Bahre. Und das hat offenbar Erfolg, obwohl es sich wirtschaftlich vielleicht noch gar nicht so rechne. Aber für Eon rechnet es sich wohl - zumindest hat das Unternehmen, das ähnlich wie die anderen Grossen in den vergangenen Jahren riesige Verluste und Abschreiber verzeichnete, jetzt wieder eine Perspektive.

Die hingegen haben die Schweizer EVU's (Elektrizitäts-Versorgungs-Unternehmen) weniger. Zumindest wenn man den Aussagen der Tagungsreferenten glauben schenken mochte - mit Ausnahmen natürlich. Sie sind alten Geschäftsmodellen verhaftet, was deutlich wurde an den Ausführungen des (nach eigenem Bekunden branchenfremden) neuen Verwaltungsratspräsidenten der Axpo, Thomas Sieber. Als Lösung der Branchenprobleme kam er wiederholt auf die Forderung zu sprechen, dass endlich die Wasserzinsen anzupassen seien. Ein Vorschlag, den mangels anderer auch weitere Tagungsreferenten dankbar aufnahmen. Dass allerdings Axpo-intern ein Gerangel eingesetzt hat über die künftige Strategie (wie aus wohlunterrichteter Quelle zu vernehmen), sagte Sieber nicht.

Und auch sonst nicht viel mehr als - man verzeihe - tote Hose. Mit der gewichtigen Ausnahme des Basler Chefs der Industriellen Werke (IWB), David Thiel (auf dem Bild im Halbdunkel während Power-Point-Präsentation). Ein Schelm wer Böses denkt, wenn man deren Wirken mit der Abstimmung vom Wochenende vergleicht - waren doch die beiden Basel die einzigen deutschschweizer Kantone, die dem Atomausstieg zustimmten. In Basel haben sie nämlich das neue Energiesystem zum Teil bereits, welches Thiel auf fünf «Gamechangern» gründen sieht.  Diese sind die 3D Dezentralisierung, Digitalisierung und Dekarbonisierung sowie Komplexität und Regulierung. Kai Hufendiek, Professor an der Stuttgarter Technik-Universität machte aufmerksam auf die Parallelität des Verkehrssektors mit der Strombranche. Auch im Verkehr habe es den Wechsel von der öffentlichen Massenversorgung (Eisenbahn) zur Individualversorgung (PW) gegeben - und jetzt schlage das Pendel zurück, ohne dass deswegen das Standbein Individualverkehr völlig wegbrechen müsse. Aber anpassen müsse es sich schon, die deutsche Automobilindustrie tut sich mit dem Übergang zum E-Auto ja schwer genug.

Zum Generaltenor der Veranstaltung passte, dass der Vertreter des Bundes, BfE-Chefökonom Matthias Gysler, eine in seinen Worten visionslose Analyse des Gesamtsystems lieferte. Zudem drohte er den Solaranlagenbetreibern, dass sie bei Eigenverbrauch des erzeugten Stroms nicht um eine Netzabgabe herumkommen werden. Was möglicherweise im Sinne der EVU ist, aber den Tod vieler Projekte bedeuten könnte. Lichtblick von seiner Seite, aber auch unverhohlener Hieb auf die Branche: Am meisten Innovation sieht Gysler bei den Stadtwerken und nicht etwa bei den Grossen (siehe Basel).

Und vielleicht auch Ironie der Geschichte, dass am gleichen Tag vonseiten des einzigen noch namhaften Schweizer Solarunternehmens, von Meyer Burger, Kunde kam vom abrupten Führungswechsel angesichts drängender Finanzierungsprobleme. Die vielleicht auch daher rühren, dass ein Unternehmen wie MB in der Schweiz nie so richtig Fuss fassen konnte - denn wer wollte seitens der EVU schon eine Solaranlage? 

So könnte sich denn dereinst der Sieg im Abstimmungskampf um die Atomausstiegs-Initiative als Pyrrhussieg erweisen.  Die Stromversorger haben es offenbar einfach noch nicht geschnallt, was in der Branche abgeht und dass sie vielleicht schon mit mehr als einem Bein am Abgrund stehen. Gegenbeweis gern gesehen! Oder wie formulierte es doch der deutsche Gastredner so schön: «Man muss mitgehen mit der Zeit, sonst muss man gehen mit der Zeit

©  Text und Bild Guntram Rehsche - Solarmedia

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Sonntag, 27. November 2016

Energiestrategie 2050 ist minimaler Konsens

Volk und Stände haben die Atomausstiegsinitiative mehrheitlich abgelehnt. Damit ist nicht der Ausstieg an sich in Frage gestellt, aber das Konzept einer auf 45 Jahre beschränkten Laufzeit. Was es jetzt braucht, ist ein alternatives Modell, wie sich der Ausstieg aus der Kernenergie und der gleichzeitige Aufbau eines neuen Energiesystems zielstrebig erreichen lassen. Mit der Energiestrategie 2050 liegt eine breiter getragene und machbare Lösung auf dem Tisch, wie dies auch die Gegner der Ausstiegsinitiative im Abstimmungskampf immer betonten. Die Stellungnahme der Dachorganisation der Wirtschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz:

Die Schweizer Bevölkerung hat entschieden. Sie sagt Nein zu einem Atomausstieg mit maximalen Laufzeiten von 45 Jahren. Die unmittelbar bevorstehende Ausserbetriebnahme der drei kleinen Kernkraftwerke im 2017 war für eine Mehrheit der Bevölkerung zu ambitiös. Der Weg in die Energiezukunft führt damit über die Energiestrategie 2050, die eine breite Unterstützung geniesst. Die AEE Suisse ist überzeugt, dass die von Bundesrat und Parlament gutgeheissene Energiestrategie auch in der bevorstehenden Volksabstimmung eine Mehrheit finden wird und als minimaler Konsens die weiteren Schritte bestimmen wird. Die Energiestrategie 2050 beinhaltet ein ausgewogenes erstes Massnahmenpaket, das die Schweiz schrittweise in eine verantwortliche Energiezukunft auf Basis der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz führen wird. Damit erfährt jene Energiepolitik und -praxis eine politische Fortschreibung, die von vielen Unternehmen, Privaten und Institutionen schon seit vielen Jahren umgesetzt wird.

Bundesrat und eine grosse Mehrheit des Parlamentes stehen hinter dieser Energiestrategie. Eine starke Minderheit der Schweizer Bevölkerung wünscht sich zudem eine verbindlichere Regelung des Atomausstiegs. Mit der Energiestrategie 2050 liegt ein Grund-Konzept auf dem Tisch, das aber eine abschliessende Regelung des Ausstiegs offen lässt. Es liegt in der Verantwortung der Politik, das Resultat dieser Volksabstimmung bei der Weiterentwicklung der Energiestrategie passend zu berücksichtigen. Die Vorgaben sind klar: soll der Atomausstieg bei plötzlichen Abschaltungen wegen Sicherheitsmängeln geordnet erfolgen, muss in den nächsten Jahren wesentlich stärker in den Ausbau eines neuen, intelligenten und wirtschaftlich tragbaren Energiesystems investiert werden. Die Wirtschaft der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz ist bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Was sie braucht, ist ein verbindlicher Fahrplan und damit verlässlichen Rahmenbedingungen für die nötige Planungs- und Investitionssicherheit, wie Gianni Operto, Präsident der AEE Suisse betont. «Es gibt viel zu tun. Die Aufgaben sind gross aber machbar. Wichtig ist, dass jetzt alle konstruktiven Kräfte zusammenrücken».


Quelle: AEE Suisse

Donnerstag, 24. November 2016

Beitrag der Solarwärme zur Energiewende wird unterschätzt

Mit der Sonne lässt sich nicht nur Strom, sondern auch Wärme produzieren. Beide Anwendungsformen sind von zentraler Bedeutung für unsere zukünftige Energieversorgung – aber auch für einen baldigen Atomausstieg. Mit Solarwärme lässt sich unter anderem der verschwenderische Einsatz von Strom für Elektroheizungen ersetzen.

Auch im alpinen Raum ist Versorung mit Solarwärme gut
möglich - das Bild zeigt Beispiel aus Bergün -
Foto: Guntram Rehsche
Die Hälfte unseres Energieverbrauchs und 40% unseres CO2-Ausstosses werden durch den Wärmeverbrauch verursacht. Sowohl der Atomausstieg als auch der gemäss Pariser Klimavertrag notwendige Verzicht auf fossile Energien gelingen nur, wenn in diesem Bereich entschlossen gehandelt wird. Einerseits mit Verbrauchssenkungen durch Gebäudesanierungen, andererseits durch den Ersatz nichterneuerbarer Energien. Mit Solarenergie kann ein grosser Teil des verbleibenden Wärmebedarfs gedeckt werden, sei es direkt über Sonnenkollektoren oder indirekt über Wärmepumpen, die mit Solarstrom betrieben werden. Relevant ist dies auch für den Atomausstieg, rund 10% des Winter-Strombedarfs wird durch Elektroheizungen verursacht. 

An der 5. Tagung Solarwärme Schweiz, organisiert von Swissolar, suissetec und dem Bundesamt für Energie (BFE), stand diese Form der Solarenergienutzung heute im Rampenlicht. Nationalrat und UREK-Präsident Stefan Müller-Altermatt zeigte auf, dass es bei der Energiestrategie 2050 keineswegs nur um Strom geht. Der Luzerner Regierungsrat Robert Küng erläuterte die besondere Verantwortung der Kantone beim Umbau der Energieversorgung in den Gebäuden. Sein Kanton geht mit der Umsetzung der Mustervorschriften MuKEn 2014 in kantonales Recht vorbildlich voran.  

Auf besonderes Interesse stiess der Bericht des Vertreters des Bundesamtes für Energie über eine Stichprobenkontrolle bei über 1100 solarthermischen Anlagen in 13 Kantonen. Das Ergebnis ist erfreulich, weil über 99% der Anlagen funktionstüchtig waren und somit das Hauptziel der kantonalen Förderung – die Einsparung von CO2 – erreicht wurde. Einzelne  Mängel geben wichtige Anhaltspunkte für die Sensibilisierung und Weiterbildung der Swissolar-Mitglieder.
 
Weitere Referate beschäftigten sich mit neuen Anwendungsmöglichkeiten für Sonnenkollektoren. Die Analysen nach einem Betriebsjahr bei einer Anlage zur solaren Regeneration von Erdsonden zeigen sehr erfreuliche Resultate – angesichts der steigenden Dichte von Sonden eine wichtige Erkenntnis. Bisher noch wenig verbreitet sind Sonnenkollektoren an Fassaden, die hohe Wintererträge aufweisen und ästhetisch überzeugen, wie die vorgestellten Beispiele zeigten. Solarwärme in Wärmeverbünden ist in Dänemark gang und gäbe, nicht aber in der Schweiz. Eine Potenzialstudie für den Kanton St. Gallen wurde vorgestellt. 

Erwähnenswert auch das Projekt der Wohnbaugenossenschaft im Zürcherischen Mettmenstetten, das unter www.maettmi50plus.ch dokumentiert ist. Es setzt auf ein nachaltiges Energiekonzept, indem es Erdsonden mit einbezieht. Dabei verfügt jedes der drei Häuser über eine eigene, aber identische Energieversorgung. PV-Module und Solarabsorber erfüllen je eine Doppelfunktion, als Dachhaut und Energieerzeuger. Die erzeugte Wärme wird ins Erdreich zurückgeführt.

In seinem Schlusswort griff Nationalrat und Swissolar-Präsident Roger Nordmann die laufenden energiepolitischen Kontroversen auf: „Für eine Vollversorgung der Schweiz mit erneuerbaren Energien kommen wir um Wärme und Strom von der Sonne nicht herum. Mit der Energiestrategie 2050 schaffen wir die notwendigen Rahmenbedingungen für den Umstieg. Die Atomausstiegsinitiative ist eine sinnvolle Ergänzung dazu, indem sie verbindliche Abschaltdaten für unsere Altreaktoren festlegt und so den Umbau auf Erneuerbare zeitlich klarer regelt.“
 
Die Referate der Tagung sind nach der Veranstaltung zu finden unter www.swissolar.ch/sw2016
 
Twitter: #SWTagung16

Montag, 21. November 2016

Projekt am Walensee vorläufig am Ende

Die EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich) planen, die bestehende Photovoltaik-Testanlage vom Walensee nach Davos zu verschieben. Mit Unterstützung der ZHAW Wädenswil und den Solar-Spezialisten der ZENNA AG sollen dort die Auswirkungen der hochalpinen Klima- und Wetterverhältnisse auf die Solarstromproduktion untersucht werden.  Aus der Walensee-Anlage wird demgegenüber zumindest vorläufig nichts (siehe Solarmedia vom 7. Mai 2013).

Modell einst geplanter Anlage am Walensee
Im Frühling soll die bestehende Testanlage am Walensee modifiziert und auf die Totalp oberhalb Davos verschoben werden. Die EKZ haben bei der Gemeinde Davos ein entsprechendes Baugesuch eingereicht. Zum Zeitpunkt des Umzugs wird die Messkampagne am Walensee abgeschlossen sein. Von den Untersuchungen in Davos versprechen sich die EKZ und ihre Partner Erkenntnisse für den Bau von Solaranlagen in hochalpinen Gebieten. Konkret sollen die Auswirkungen der Lichtreflexion des Schnees und der klimatischen Verhältnisse untersucht werden. Es handelt sich um ein Forschungsprojekt, das von der ZHAW geleitet und von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) des Bundes gefördert wird. Ebenfalls am Projekt beteiligt ist das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos. 

«Solaranlagen im hochalpinen Bereich sind interessant», erklärt Hanspeter Fuchs, Leiter erneuerbare Energien bei den EKZ. «Im Winter liefern hochalpine Solaranlagen wesentlich mehr Strom als Anlagen im Unterland – wo es häufig Nebel hat. Zudem erwarten wir einen positiven Effekt durch die Reflexion der Sonneneinstrahlung an der Schneedecke». Die Versuchsanlage in Davos wird eine maximale Leistung von 10 kWp aufweisen und dient nur zu Forschungszwecken. Nach maximal fünf Jahren wird die Versuchsanlage wieder abgebaut. 

Und am Walensee? Konkrete Rahmenbedingungen wären nötig - die Weiterentwicklung des Projekts «Solaranlage Walensee» wird nach Abschluss der Messkampagne im Frühling sistiert. Zurzeit ist die Bewilligungsfähigkeit der Anlage nicht gegeben und eine Prognose hinsichtlich Wirtschaftlichkeit nicht möglich. Erst wenn die zukünftigen gesetzlichen Rahmenbedingungen klar sind, werden die beteiligten Partner EKZ und SAK (St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG) über das Vorgehen entscheiden. 

Quelle: EKZ

Freitag, 18. November 2016

Nach neuerlichem Rekord eine Flaute (dazwischen)

Analysten gehen davon aus, dass nach 74 Gigawatt Rekordzubau 2016 im kommenden Jahr Photovoltaik-Anlagen mit 69 Gigawatt Leistung weltweit installiert werden. Für die Jahre danach erwartet GTM Research dann ein kontinuierliches weiteres Wachstum der Nachfrage, so dass zwischen 2016 und 2021 global 506 Gigawatt Photovoltaik-Leistung zugebaut werden. 

Nach der jüngsten Veröffentlichung von GTM Research wird die weltweite Nachfrage in diesem Jahr voraussichtlich bei 75 Gigawatt liegen. Dies wäre ein Anstieg um fast 50 Prozent gegenüber 2016, als Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 51 Gigawatt installiert worden sind, wie aus dem jüngsten „Global Solar Demand Monitor“ der Analysten hervorgeht. Für die Nachfrage 2017 gehen sie dann von einem Rückgang um sieben Prozent auf 69 Gigawatt aus. Der Einbruch könnte damit weniger heftig ausfallen als bislang vermutet. „Im vergangenen Quartal prognostizierten wir ursprünglich einen zehnprozentigen Rückgang des Weltmarktes für 2017, hauptsächlich wegen der Politikwechsel in China, Japan, Großbritannien und Deutschland“, sagte Benjamin Attia, Autor des Monitors bei GTM Research. Die niedrigen Modulpreise, eine Pipeline-Verschiebung bei Kraftwerksprojekten und die verbesserte Nachfrage in Indien hätten zur Korrektur geführt.

Für die Jahre danach sind die GTM Research-Analysten zuversichtlich, dass die weltweite Photovoltaik-Nachfrage weiter wachsen werde. Die kumulative Wachstumsrate bis 2021 beziffert Attia mit nun neun Prozent. Bereits 2018 werde der Markt wieder mindestens das Niveau von 2016 erreichen. Für dieses Jahr sei davon auszugehen, dass die fünf größten Märkte – China, USA, Japan, Indien und Großbritannien – etwa 80 Prozent aller neuen Photovoltaik-Anlagen weltweit zubauen werden, wie es weiter hieß. Für das kommende Jahre sei ein dreistelliges Wachstum der Nachfrage in Indien zu erwarten, zudem dürften die USA ein ähnlich großen Zubau wie in diesem Jahr erreichen, heißt es weiter. Das globale Überangebot an Solarmodulen werden zudem die durchschnittlichen Verkaufspreise weiter sinken lassen.

In seinem Bericht hat GTM Research drei verschiedene Marktgruppen herausgearbeitet – die aktuell größten, die aufstrebenden und die „post-mature“ Märkte. Die derzeit größten Märkte China, USA und Indien hätten zwischen 2001 und 2015 zusammen 75,9 Gigawatt Photovoltaik-Leistung installiert. Sie würden nun in den kommenden Jahren einen weiteren Boom sehen und bis 2021 insgesamt weitere 267,7 Gigawatt zubauen, so die Analysten.

Derweil hätten die ehemals größten Märkte (post-mature), dazu zählten Deutschland, Japan, Italien und Großbritannien, ihren besten Jahre mehr oder weniger schon hinter sich – gemessen am Photovoltaik-Zubau lägen ihre Rekorde in der Vergangenheit. Sie hätten zwischen 2001 und 2015 eine kumulierte Photovoltaik-Leistung von 104 Gigawatt zugebaut; bis 2021 kämen nun noch weitere 46,9 Gigawatt dazu. Diese würden allerdings hauptsächlich in Japan entstehen. GTM Research erwartet hier einen kumulierten Zubau von 32,9 Gigawatt bis 2021.


Bei den aufstrebenden Photovoltaik-Märkten erwarten die Analysten einen langfristigen Anstieg. In den kommenden fünf Jahren würden von dieser Gruppe, die von Mexiko, Frankreich und Australien angeführt werde, insgesamt rund 34,7 Gigawatt zugebaut. Diese Schwellenländer – zu denen viele Staaten Lateinamerikas, des Nahen Ostens und der Asien-Pazifik-Region zählten – hingen bei ihrem Marktwachstum vor allem von Kapazitätsgeboten und weniger von Einspeisetarifen ab, so die Analysten von GTM Research. „Wir werden weltweit einen großen Umschwung von der Welt mit Einspeisetarifen hin zur Welt mit Ausschreibungen sehen“, erwartet Attia. „Es scheint sich in kleineren Märkten zu verbreiten, die ihre Lektion von Deutschland gelernt haben. Einige Märkte wie Mexiko ließen Einspeisetarife gleich ganz weg und gingen direkt auf Ausschreibungen“, so der GTM-Research-Analyst. Auch Japan und China befänden sich derzeit im Übergang vom Einspeiseförderungsmodell hin zu Ausschreibungen. 

© GTM Research Global Solar Demand Monitor: Q4 2016

China hat in diesem Jahr eine Menge Aufmerksamkeit erregt und dies nach Ansicht von Attia zurecht. Mit einem erwarteten Zubau von 28,3 Gigawatt 2016 werde China mehr als doppelt soviel zubauen wie der zweitgrößte Markt – die USA. Zudem werde es wohl für einige Zeit ein Rekord für den Photovoltaik-Zubau in einem Land in nur einem Jahr sein. Für das kommende Jahr erwartet GTM Research, dass die Nachfrage in China um etwa 40 Prozent sinken und auch in absehbarer Zeit nicht mehr auf das aktuelle Niveau steigen werde. Für die Jahre 2016 bis 2021 sei von einem kumulierten Zubau von 116,8 Gigawatt in dem Land auszugehen, gefolgt von USA mit 90,7 Gigawatt und Indien mit 60,2 Gigawatt. Allerdings seien die Zahlen für die USA vor der Wahl Donald Trump zum 45. US-Präsidenten errechnet worden. Ob sich an dieser Einschätzung nun etwas ändern werde, sei noch zu früh zu sagen. Attia schätzt die Aussichten allerdings „weitgehend unverändert“ ein.