Sonntag, 19. November 2017

Strom garantiert nachhaltig

Die diesjährige Klimakonferenz in Bonn ist abgeschlossen. Angesichts der Dringlichkeit des Klimathemas und der notwendigen Energiewende sind die Ergebnisse eher ernüchternd. Die Energie Genossenschaft Schweiz möchte bei dieser Gelegenheit auf ihre Projekte Stromallmend und crowdPV hinweisen und zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, auf individueller Ebene aktiv zu werden - siehe auch Video am Schluss.
 
Die Energie Genossenschaft Schweiz sticht in verschiedener Hinsicht heraus aus dem Meer an bestehenden Initiativen im Energiebereich. Zum einen betreibt sie mit der Stromallmend das peer-to-peer Netzwerk für Produzentinnen und Konsumenten. Die Stromallmend ist sowohl für Produzentinnen als auch für Konsumenten attraktiv: Produzenten können ihre Solaranlage einfacher wirtschaftlich betreiben, und Konsumentinnen beziehen zu einem fairen Preis Solarstrom. Sie wissen dabei, dass der grösste Teil des bezahlten Betrages direkt den Produzenten zu Gute kommt.
 
Zum anderen bietet die Energie Genossenschaft Schweiz crowdPV an. Mit crowdPV kann man auch ohne eigenes Dach Solaranlagebesitzerin werden: eine sinnvolle Lösung für all diejenigen, die keine eigene Solaranlage auf dem Dach installieren können. Die Energie Genossenschaft Schweiz plant, baut und betreibt die ganze Solaranlage und administriert die Solarstrom-Herkunftsnachweise von Swissgrid.

Die Energie Genossenschaft Schweiz versteht sich als gemeinwohl-orientierte Wirtschaftsakteurin und verfasst regelmässig einen Gemeinwohlökonomie-Bericht. Für die Glaubwürdigkeit der Stromallmend steht auch die Stiftung für Konsumentenschutz, welche die Teilnahme an der Stromallmend empfiehlt.

Bisher war es möglich in der Stromkennzeichnung „nicht überprüfbare Energieträger“ (sogenannten Graustrom) auszuweisen, wenn keine Herkunftsnachweise vorhanden waren. Neu müssen für die Stromkennzeichnung immer Herkunftsnachweise verwendet werden. Die Angabe von nicht überprüfbaren Energieträgern ist nicht mehr zulässig. Wer Endkunden mit Strom beliefert, muss also immer auch die entsprechende Menge an Herkunftsnachweisen entwerten. Auch der Verbrauch von Bahnstrom und die Verluste durch (Pump-)Speicherung sind kennzeichnungspflichtig.

Das totalrevidierte Energiegesetz (ES 2050) und weitere revidierte Bundesgesetze, die vom Bundesrat am 1. November 2017 verabschiedeten neuen Verordnungen (Energieverordnung, Energieförderungsverordnung, Energieeffizienzverordnung) bzw. Verordnungsänderungen (Kernenergieverordnung, Stromversorgungsverordnung, CO2-Verordnung, Verordnung über Gebühren und Aufsichtsabgaben im Energiebereich, Landesgeologieverordnung) sowie die neue Verordnung des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) über den Herkunftsnachweis und die Stromkennzeichnung treten am 1. Januar 2018 in Kraft.

Bei der Umsetzung der Energiewende können wir uns neu auf die ES2050 abstützen. Es gilt, 36% Atomstrom aus dem Strommix durch neuen erneuerbaren Strom zu ersetzen! Die AKW Betreiber sind nicht an einer raschen Umsetzung interessiert, da sie A) ihre bestehenden KKW bis auf weiteres laufen lassen dürfen, B) sie über genügend Kraftwerk-Kapazität verfügen – im Markt zu viel Strom vorhanden ist und z.B. Wasserkraft unter Druck steht und C) die neuen erneuerbaren überwiegend von privaten Investoren realisiert werden und sich dadurch einen Teil vom über etliche Jahre unangetasteten Stromkuchen abschneiden. AKW-Betreiber haben es nicht leicht eine Lösung für diese Problematik zu finden. Idealerweise weiss der Endkunde nichts von der Stromkennzeichnung. Längerfristig werden es HKN aus AKW und Kohlekraftwerken schwierig haben. Der Endkunde kann schon heute frei wählen, über welche Qualität sein Strom verfügen soll. Wenn sich alle Stromkunden für Solarstrom-Herkunftsnachweise an Stelle von AKW-HKN entscheiden würden, gäbe es keine Legitimität für den Betrieb von KKWs mehr.

Die Energie Genossenschaft Schweiz betreibt mit der Stromallmend das Elektrizitätswerk der Zukunft, da nur neue erneuerbare Energie, allen voran Solarenergie, geliefert wird.


Samstag, 18. November 2017

Lernen von China ?


China hat einen radikalen „Schlachtplan gegen die Klimaverschmutzung“ verabschiedet – wie die FAZ und die TAZ übereinstimmend berichten. Ein Kommentar des deutschen Energiepublizisten Franz Alt.



Erst war das Reich der Mitte der größte Klimasünder, jetzt aber entwickelt sich das kommunistische Land zum Vorbild – mit drastischen Maßnahmen, zu denen eine Jamaika-Koalition (in Deutschland) niemals den Mut hätte. Hunderttausende Arbeiter werden für vier Monate in den Zwangsurlaub geschickt, damit sich die Smogsituation verbessert. Fahrverbote? Diese sind in China schon längst Realität.

In vier Provinzen hat China den ehrgeizigsten und strengsten Maßnahmen-Katalog verkündet: In Hubei, Shenxi, Henan und Shangdong sowie in weiteren 28 Großstädten, zu denen auch Peking mit seinen 22 Millionen Einwohnern gehört. Damit sollen hohe Smogwerte wie in den Vorjahren vermieden werden. 

Die Werte lagen in Peking und Shanghai bis zum dreißigfachen über den Grenzwerten, was zu 1.6 Millionen frühzeitigen Toten geführt hat wie die kommunistische  Partei jetzt zur Rechtfertigung der Zwangsmaßnahmen bekannt gab. Staats- und Parteichef Xi: „Wir müssen die strengsten Umweltschutzmaßnahmen durchsetzen“.

Gegen den Smog und seine verheerenden Folgen gab es in den vergangenen Jahren tausende Volksaufstände. Die Partei ist zum Handeln gezwungen. Aufstände sollen in diesem Winter möglichst vermieden werden. Ob das klappt, ist fraglich. Fabriken und Kraftwerke produzieren zwischen November und April durch die bisher hohe Kohleverbrennung starke gesundheitliche Belastungen für hunderte Millionen Menschen. 70% des Stroms werden in China noch immer durch Kohle produziert. Jetzt hat die Regierung auch einen Bau-Stopp für Kohlekraftwerke beschlossen und mehrere hundert besonders alte Kohlekraftwerke still gelegt.

Außerdem wurden 44.000 kleinere Hochöfen geschlossen. In der Kohle-Hauptstadt Taiyan – nahe Peking – ist der Verkauf und der Transport von Kohle komplett verboten worden. In Peking darf auch auf dem letzten Hinterhof keine Kohle mehr verbrannt werden. 

7.000 Umwelt-Polizisten überwachen die neuen Vorschriften. Verstöße werden hart bestraft. Im ganzen Land wurden 176.000 Unternehmen, die noch Kohle verbrannt haben, über den Winter geschlossen. 

Greenpeace China hat vorgeschlagen, die in Zwangsarbeit geschickten Arbeiter in energieintensive Umrüstung von Gebäuden einzusetzen.  

Viele große Baustellen, die als Verursacher der Staubverschmutzung gelten, wurden ebenfalls dicht gemacht.

China nimmt die Umweltbelastung durch Kohle weit ernster als die deutsche Bundesregierung. Kann uns nur noch eine Öko-Diktatur retten? Vielleicht werden die Berliner Jamaika-Unterhändler mal einen Blick nach China. Zumindest ist China das neue Klima-Musterland.

Freitag, 17. November 2017

Tage der Sonne 2018


Der Herbst ist eingeläutet und damit beginnt auch die Jahresplanung für das kommende Jahr. Vergessen Sie dabei nicht, Ihre Veranstaltung für die Tage der Sonne schon fix im Kalender einzutragen. Wenn Sie gerne mehr Anhaltspunkte zur Realisierung eines Anlasses wünschen, stellen wir Ihnen auf unserer neuen Webseite eine Checkliste mit den wichtigsten organisatorischen Punkten zur Verfügung. So vergessen Sie garantiert keinen wichtigen Meilenstein, denn frühe Planung führt automatisch zu einem stressfreien Ablauf - damit die Tage der Sonne nicht nur Ihrem Publikum, sondern auch Ihnen Spass machen. 
Die Sonnenenergie ist weiter auf dem Vormarsch: Gemäss einem Bericht der Internationalen Energieagentur zu erneuerbaren Energien wuchsen 2017 die globalen Erzeugungskapazitäten von Photovoltaik so stark wie keine andere Energiequelle. Es wird davon ausgegangen, dass Solaranlagen auch in den kommenden Jahren das Wachstum anführen. Die Agentur teilte mit, dass man das Wachstum von erneuerbaren Energiequellen in der Vergangenheit stark unterschätzt habe. Laut IEA ist der Zubau von erneuerbaren Erzeugungskapazitäten im vergangenen Jahr auf 165 GW angewachsen, dabei entfielen 50 Prozent auf Photovoltaikanlagen, von denen rund die Hälfte in China errichtet wurden. Insgesamt rechnet die IEA mit einem Wachstum der erneuerbaren Kapazitäten von 1000 GW in den nächsten fünf Jahren. 
Das Potential für Sonnenenergie ist riesig, allerdings werden auch in der Schweiz bei Weitem nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Die Tage der Sonne sollen helfen, diese Entwicklung voran zu treiben. Leisten Sie einen essentiellen Beitrag und seien Sie bei den kommenden Tage der Sonne vom 25. Mai bis zum 3. Juni 2018 mit dabei.
Zur neuen Homepage von Tage der Sonne

Quelle: SSES

Dienstag, 14. November 2017

100 Prozent erneuerbarer Strom ist weltweit machbar

Eine weltweite Energiewende hin zu 100% erneuerbarer Stromversorgung ist nicht mehr nur eine reine Zukunftsvision, sondern greifbare Realität, welche durch die bahnbrechende neue Studie der Lappeenranta University of Technology (LUT) zusammen mit der Energy Watch Group (EWG), präsentiert wird. Die Studie wurde am 8 November 2017 während des Global Renewable Energy Solution Showcase Events (GRESS) im Rahmen der Klimakonferenz der Vereinten Nationen COP23 in Bonn präsentiert.
 
Die Studie liefert aufschlussreiche Ergebnisse: Ein weltweites Elektrizitätssystem das komplett auf erneuerbaren Energien basiert, schafft Versorgungssicherheit zu jeder Stunde über das komplette Jahr und dabei auch noch kosteneffizienter als das aktuelle Stromsystem, welches hauptsächlich auf fossilen Brennstoffen und Kernkraft basiert.

Das Potential erneuerbarer Energien und die dafür notwendigen Technologien, z.B. Stromspeicherungssysteme, sind in der Lage Elektrizität effizient und sicher zu erzeugen und damit den weltweiten Strombedarf bis 2050 ganzjährig zu jeder Jahresstunde zu decken[1]. Die mittleren Stromkosten für 100% erneuerbare Energie im globalen Durchschnitt belaufen sich im Jahr 2050 auf 52 €/MWh (dies beinhaltet Kosten für Abregelungen und Speicherung, sowie Netzkosten), im Vergleich dazu beliefen sich die mittleren globalen Stromkosten im Jahr 2015 auf 70 €/MWh.

„Eine komplette Dekarbonisierung des Elektrizitätssektors bis zum Jahr 2050 ist umsetzbar und dabei kostengünstiger als das heutige Stromsystem. Die Energiewende ist nicht länger eine Frage von technologischer Umsetzbarkeit oder wirtschaftlicher Rentabilität, sondern eine Frage des politischen Willens“ so Christian Breyer, Hauptautor der Studie, LUT Professor für Solarwirtschaft und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Energy Watch Group.
Eine Wende hin zu 100% erneuerbaren Energien würde die Treibhausgasemissionen im Stromsektor auf null reduzieren und die Energieverluste im Stromsystem drastisch verringern. Zudem würde es 36 Mio. Arbeitsplätze geben, 17 Mio. mehr als heutzutage im Stromsektor beschäftigt sind.

„Es gibt keinen Grund auch nur einen weiteren Dollar in fossile oder nukleare Energiegewinnung zu investieren.“ sagt Energy Watch Group Präsident Hans-Josef Fell. „Erneuerbare Energie bietet eine kosteneffiziente Stromversorgung. Alle Investitionspläne in Stromerzeugung mit Kohle, Kernkraft, Erdgas oder Erdöl müssen eingestellt werden und sollten umgelenkt werden in die Bereiche erneuerbarer Energie und die dafür notwendige Infrastruktur. Alles andere würde nur unnötige Kosten bedeuten und die Klimaerwärmung weiter verschlimmern.“

Die Schlüsselerkenntnisse der Studie:
  • Das Potential erneuerbarer Energien und der Technologien dahinter, inklusive Stromspeicherungssysteme, sind in der Lage Strom effizient und sicher zu erzeugen und damit den weltweiten Energiebedarf bis 2050 zu decken. Es wird prognostiziert, dass die Weltbevölkerung von 7,3 Mrd. auf 9,7 Mrd. Menschen anwächst. Daher wird auch der weltweite Energiebedarf im Energiesektor von 24.310 TWh im Jahr 2015 auf ungefähr 48.800 TWh im Jahr 2050 ansteigen.
  • Die durchschnittlichen Stromkosten (LCOE) für 100% erneuerbare Energien belaufen sich auf 52 €/MWh im Jahr 2050 (diese beinhalten Kosten für Abregelungen, Speicher- und Netzkosten), während es im Jahr 2015 noch 70 €/MWh waren.
  • Auf Grund von stark fallenden Kosten werden Photovoltaik und Batteriespeicherung die wichtigsten Pfeiler des erneuerbaren Energiesystems sein. Photovoltaik wird 69%, Windenergie 18%, Wasserkraft 8% und Bioenergie 2% des globalen Strommix im Jahr 2050 ausmachen.
  • Bis 2030 wird Windenergie 32% des Strombedarfs weltweit decken. Jedoch wird nach 2030 Photovoltaik wettbewerbsfähiger. Daher steigt der prozentuale Anteil von Photovoltaik im globalen Stromsektor von 37% im Jahr 2030 auf 69% im Jahr 2050.
  • Batterien stellen die Schlüsseltechnologie für Photovoltaik dar. 31% des globalen Strombedarfs im Jahr 2050 wird von Speichern abgedeckt, wovon wiederum 95% durch Batteriespeicher bereitgestellt wird. Batteriespeicher werden vor allem die täglichen Schwankungen ausgleichen, während Gas, aus erneuerbaren Energien erzeugt, die saisonale Speicherung decken wird.
  • Weltweit werden sich die Treibhausgasemissionen drastisch reduzieren, von ungefähr 11 GtCO2eq im Jahr 2015 hin zur emissionsfreien Energiegewinnung bis 2050 oder sogar früher, während die durchschnittlichen Stromkosten im Stromversorgungssystem sinken.
  • Die weltweite Energiewende hin zu 100% erneuerbaren Energien schafft 36 Mio. Arbeitsplätze bis 2050, im Vergleich zu 19 Mio. Arbeitsplätzen im Stromsektor im Jahr 2015.
  • Der Gesamtverlust eines 100% erneuerbaren Energiesystems beläuft sich auf rund 26% des gesamten Endenergiebedarfs. Im Vergleich dazu weist das aktuelle Stromsystem einen Verlust von rund 58% der Primärenergie auf. 
Die Studie „Globales Energiesystem basierend auf 100% Erneuerbarer Energie – Stromsektor“ wird tiefgreifende Auswirkungen für politische Entscheidungsträger und Politiker weltweit haben. Die Studie widerlegt ein oft von Kritikern der Energiewende zitiertes Argument, dass erneuerbare Energien nicht in der Lage wären Strom ganzjährig zu jeder Tageszeit zu liefern.

Die verwendete Modellierung, entwickelt von der LUT, ist bislang einzigartig und berechnet den kostenoptimierten Mix von Technologien auf Grundlage von lokal verfügbaren erneuerbaren Energieressourcen, wobei die Welt in 145 Regionen eingeteilt ist. Demnach wird ein kosteneffizienterer Pfad für eine Energieversorgung in jeder der 145 Regionen berechnet auf Grundlage einer stündlichen Auflösung für ein gesamtes Jahr.

Das Szenario der weltweiten Energiewende wird in 5-Jahres Abschnitten für den Zeitraum von 2015 bis 2050 berechnet. Die Ergebnisse wurden dann in neun Hauptregionen der Welt zusammengefasst, bestehend aus: Europa, Eurasien, Mittlerer Osten und Nordafrika, Sub-Sahara Afrika, Südasien, Nordost Asien, Südost Asien, Nordamerika und Südamerika.

Die Studie „Globales Energiesystem basierend auf 100% Erneuerbarer Energie – Stromsektor“ ist durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Stiftung Mercator ko-finanziert.

Finden sie hier die wichtigsten Erkenntnisse (auf Deutsch) und die Kurzfassung der Studie (auf Englisch).
Die komplette Studie (auf Englisch) finden Sie hier.
Eine Präsentation zu den globalen Ergebnissen und weitere Links zu Regionen und Ländern finden Sie hier.

Freitag, 10. November 2017

Potential der Solarthermie

Mit der Sonne lässt sich nicht nur Strom, sondern auch Wärme produzieren. Obwohl Solarwärme besonders geeignet wäre, um fossile Energiequellen zu ersetzen und damit einen Beitrag gegen die Klimakatastrophe zu leisten, steht sie deutlich weniger im Rampenlicht als die Photovoltaik zur Stromproduktion. An der Tagung wurde aufgezeigt, wie neue Märkte erschlossen werden können. 

Die Hälfte unseres Energieverbrauchs und 40% unseres CO2-Ausstosses werden durch den Wärmeverbrauch verursacht, hält die Medienmitteilung des Fachverbands Swissolar fest. Zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen aus der Ratifizierung des Pariser Klimaprotokolls muss die Schweiz deshalb massgeblich den Verbrauch von Öl und Gas für Raumwärme, Wassererwärmung und industrielle Prozesswärme reduzieren. Einerseits mit Verbrauchssenkungen durch Gebäudesanierungen, andererseits durch den Ersatz nichterneuerbarer Energien. Mit Solarenergie kann ein grosser Teil des verbleibenden Wärmebedarfs gedeckt werden.

An der 6. Solarwärmetagung, organisiert von Swissolar, suissetec und EnergieSchweiz, stand die Frage im Zentrum, wie neue Märkte für die Solarwärmenutzung erschlossen werden können. Bis anhin wurden Kollektoranlagen vor allem in Einfamilienhäusern verbaut – Solarunternehmer Adrian Kottmann (BE Netz AG) zeigte auf, dass diese Nutzungsform keineswegs ein Auslaufmodell ist. Besonders geeignet wären Sonnenkollektoren für das Warmwasser auf Mehrfamilienhäusern. Gerd Klemp von Halter Immobilien gab den anwesenden Praktikern nützliche Tipps, wie dieses Potenzial erschlossen werden kann.  

Wärmepumpen sind in allen Gebäudekategorien im Vormarsch, oft in Kombination mit Erdsonden. Fachleute warnen jedoch davor, dass deren steigende Dichte zur raschen Abkühlung des Erdreichs und damit zu steigendem Stromverbrauch führen wird. Inzwischen gibt es vielfältige Erfahrungen mit der solaren Regeneration von Erdsonden: Die Ergebnisse aus einem Pilotprojekt im Unterengadin wurden vorgestellt. Ebenfalls im Rahmen eines Forschungsprojekts der Hochschule Rapperswil wird untersucht, wie Solarwärme in der Industrie genutzt werden könnte. In anderen europäischen Ländern ist dies bereits vielfach erprobt, wie etwa in der grössten Brauerei Österreichs, wie Christoph Brunner vom Institut AEE aufzeigen konnte.

Auch Wärmeverbünde mit solarer Unterstützung sind in der
Schweiz bisher kaum bekannt. Ganz anders etwa in Deutschland, wo spezielle Kollektoren für diese Anwendung entwickelt wurden, wie Stephan Fintelmann von KBB Berlin erläuterte. Pionierarbeit leistet hingegen die Schweiz bei der solaren Wärmeproduktion an Fassaden: Architekt Beat Kämpfen bewies, dass aus einer Energieschleuder ein schönes Plusenergiehaus werden kann (siehe Bild und Solarmedia vom 11.Mai 2015).

Zur Nutzung des Solarwärmepotenzials braucht es geeignete politische Rahmenbedingungen. Hier sind an vorderster Front die Kantone gefragt, die gemäss Bundesverfassung hauptverantwortlich für den Energieverbrauch in Gebäuden sind. Hansruedi Kunz, Leiter der Abteilung Energie des Kantons Zürich, zeigte auf, was sich durch die Annahme der Energiestrategie änderte und wie die Kantone koordiniert den CO2-Ausstoss von Gebäuden senken möchten. Auch in diesem Zusammenhang wurde ein Blick über die Landesgrenze geworfen: Die EU möchte mit ihrem „Clean Energy Package“ nicht zuletzt die Solarwärme fördern, wie ein Vertreter des europäischen Solarwärmeverbands erläuterte. Er zeigte sich überzeugt, dass diese Entwicklungen auch die Schweizer Politik beeinflussen werden.

In seinem Schlusswort zeigte sich Nationalrat und Swissolar-Präsident Roger Nordmann zuversichtlich, dass mit dem Ja des Volks zur Energiestrategie 2050 der Grundstein für eine Vollversorgung der Schweiz mit erneuerbaren Energien gelegt wurde. Doch die nächste Nagelprobe stehe vor der Tür: „Bei der bevorstehenden Gesamtrevision des CO2-Gesetzes muss die Schweiz ihre Verantwortung bei der Bekämpfung der Klimakatastrophe wahrnehmen. Dazu ist sie dank innovativer Forschung und Industrie prädestiniert – dies gilt ganz besonders für den Gebäudebereich!“

Die Referate der Tagung sind nach der Veranstaltung zu finden unter www.swissolar.ch/sw2017
Twitter: #SWTagung17 

Donnerstag, 9. November 2017

Fast alles spricht für PV

Das Bundesamt für Energie (BFE) lässt regelmässig die Potenziale, Kosten und Umweltauswirkungen von Stromproduktionstechnologien untersuchen. Diese dienen sowohl als Grundlage für die Energieperspektiven als auch für das im neuen Energiegesetz vorgeschriebene Technologie-Monitoring. Hervorsticht Photovoltaik (PV!)

Die Studie, die vom PSI auch im Rahmen des Swiss Competence Center for Energy Research - Supply of Electricity (SCCER-SoE) und des Swiss Competence Center for Bioenergy Research (SCCER BIOSWEET) erstellt wurde, weist die Potenziale, Kosten und Umweltauswirkungen jeweils für den Zeithorizont von heute bis 2050 aus. Das Zusammenspiel der verschiedenen Technologien (Systemaspekte) sowie externe Kosten (z.B. CO2-Kosten) wurden nicht untersucht. Im Vergleich zur Vorgängerstudie ist der Rahmen der vorliegenden Arbeit deutlich umfangreicher. Folgende Technologien wurden berücksichtigt: Gross- und Kleinwasserkraftwerke, Windturbinen (on- und offshore), Photovoltaik-Anlagen (PV), Verstromung von Biomasse, Geothermie-Kraftwerke (petrothermal), Wellen? und Gezeitenkraftwerke, Anlagen zur solarthermischen Stromerzeugung, Kernkraftwerke, Erdgas- und Kohlekraftwerke sowie Erdgas-Blockheizkraftwerke, Brennstoffzellen und ,neuartige" Technologien (hydrothermale Methanisierung von wässriger Biomasse, nicht konventionelle geothermale Technologien, Kernfusion und thermoelektrische Stromerzeugung zur stationären Abwärmenutzung). Während es bei den Potenzialen keine grösseren Unterschiede zur 2005er-Studie gibt, mussten die Kosten bei den fossilen Kraftwerken nach oben angepasst werden. Dafür werden heute die Kosten für Photovoltaik dank der schnelleren technologischen Entwicklung wesentlich tiefer eingeschätzt als 2005. Weiter beinhaltet die aktuelle Studie neu auch eine systematische Analyse der Umweltauswirkungen basierend auf Ökobilanzen.
 

Unter den erneuerbaren Energien in der Schweiz weisen Photovoltaik Anlagen für 2035 und 2050 das grösste Zubau-Potenzial auf (in der Studie wurden nur Dachanlagen berücksichtigt). Grosse Mengen an Photovoltaik-Strom aus dezentralen Anlagen, der unregelmässig anfällt, müssen jedoch mit geeigneten Massnahmen ins System integriert werden. Windenergieanlagen weisen ebenfalls ein beträchtliches Zubau-Potenzial aus, auf lange Frist (2050) auch die Stromproduktion aus Tiefengeothermie. Allerdings ist diese Option mit grossen technischen Unsicherheiten verbunden. Auch die Stromproduktion aus Biomasse kann zunehmen, vor allem, wenn ein grösserer Teil der in der Landwirtschaft anfallenden Gülle energetisch genutzt wird. Auch bei der Wasserkraft besteht ein gewisses Zubau-Potenzial, das jedoch sehr stark von den wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt. 

Die Studie weist die Gestehungskosten für erneuerbare Stromproduktionsanlagen (hauptsächlich in der Schweiz) und für konventionelle Stromproduktionsanlagen, wie sie mittelfristig eher im europäischen Ausland als in der Schweiz gebaut werden, aus. Die Kosten für Wasserkraft, Holz-Kraftwerke, landwirtschaftliche Biogasanlagen und die fossile Stromerzeugung werden bis 2050 eher steigen, während die Gestehungskosten für Photovoltaik um die Hälfte sinken, bei Windenergie etwas weniger. Es wird angenommen, dass sich die Preise für Kohle und Erdgas, die wichtigsten Energieträger für die konventionelle Stromproduktion, bis 2050 um rund die Hälfte erhöhen werden.

Die Stromproduktion aus Wasser- und Kernkraftwerken sowie aus Windturbinen verursacht heute die geringsten Treibhausgasemissionen, Strom aus Kohlekraftwerken die höchsten. Treibhausgasemissionen von Gaskombi- und Kohlekraftwerken könnten in Zukunft mittels CO2-Abscheidung substanziell reduziert werden. Sowohl die Emissionen der Kernenergie, als auch jene der fossilen Stromproduktion könnten in Zukunft wegen schlechterer Verfügbarkeit der Energieträger Uran, Erdgas und Kohle steigen. Im Gegensatz dazu kann davon ausgegangen werden, dass die Umweltbelastung durch Strom aus anderen Quellen in Zukunft dank technologischer Fortschritte abnehmen werden.

Die Gesamtstudie liegt in englischer Sprache vor, mit ausführlichen Zusammenfassungen in Deutsch und Französisch. Eine kurze Zusammenfassung ,Potenziale, Kosten und Umweltauswirkungen von Stromproduktionsanlagen - Synthese" gibt es in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache.

Quelle: Bundesamt für Energie 
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