Samstag, 30. Dezember 2017

Lust auf Zukunft

Wahrscheinlich ist unsere Zukunft gar nicht so gefährdet wie sie von Apokalypse-Propheten und Zukunfts-Gurus beschrieben wird. Die jetzt anstehende grüne Revolution wird  immense ökonomische, politische, kulturelle und wissenschaftliche Energien freisetzen. Von Franz Alt.

Dafür sieben faktenbasierte Beispiele:
Erstens: Vor 60 Jahren gab es in Malaysia fast keine Schulen, kein Gymnasium und keine einzige Universität. Das damals bettelarme Land setzte voll auf Bildung, ist heute ein Land mit einem der höchsten Bildungsgrade der Welt und seine Wirtschaftskraft  hat sich in dieser Zeit verhundertfacht. Bildung ermöglicht unsere Potentialentfaltung. Malaysia kann überall werden. Unsere menschlichen Potentiale sind so unerschöpflich wie die Sonnenenergie.
Zweitens: 1980 lebten noch 90% aller Chinesen unter der absoluten Armutsgrenze von 1.90 Dollar am Tag, 2016 waren es noch drei Prozent. Diese Fundamentalverwandlung  geschah in stark drei Jahrzehnten. Ich habe als Fernsehreporter und Referent diese unglaubliche Transformation im Reich der Mitte  miterlebt. China ist heute Weltmeister bei Solar- und Windenergie.
Drittens: 1820 lebten global 90% der Menschen unter der Armutsgrenze, heute 14%. Freilich: Im 18. Jahrhundert lebten eine Milliarde Menschen auf der noch relativ leeren Erde, heute sind wir 7.6 Milliarden auf einer vollen Erde.
Viertens: Um 1955 bekam eine Frau weltweit im Schnitt über sechs Kinder, heute im Schnitt zwischen zwei und drei.
Fünftens: Zwischen 1920 und 1970 starben 529 Menschen von 100.000 an Hunger, heute noch drei von 100.000 – 176mal weniger.
Sechstens: Vergleichen wir die ökonomische Entwicklung Ägyptens mit Südkorea: Ägypten hat sich nach 1955 abgeschottet gegenüber Ausländern, Südkorea hat sich geöffnet mit dem Ergebnis, dass es sich zehnmal erfolgreicher entwickelt hat als Ägypten. Es lohnt sich grundsätzlich, Flüchtlinge und Vertriebene aufzunehmen wie es Südkorea tat. Das gilt für viele andere Länder auch. Westdeutschland hat nach 1945 zwölf Millionen Ostflüchtlinge integriert, die mit den Westdeutschen zusammen das von der ganzen Welt bestaunte Wirtschaftswunder organisiert haben.
Siebtens: Die radikale Reform der globalen Energiesysteme ist nicht nur möglich, sie hat längst begonnen. Die Entwicklung der Ökoenergien heute ist vergleichbar mit der des Mobiltelefons in den Achtzigern. Damals sagte McKinsey im Auftrag des US-Telekommunikationskonzerns AT&T voraus, dass es im Jahr 2.000 in den USA etwa 900.000 Handys geben werde. Es waren tatsächlich 120-mal mehr.
Das heißt: eine neue Technologie taucht auf, wird eine Zeit lang verlacht, dann bekämpft und – wumms! – hat sie sich ganz rasch durchgesetzt. Die Welt kann bis 2030/2040 zu 100 Prozent erneuerbar sein.
 
2015 hat das renommierte Fraunhofer-Institut Kilowattstunden-Preise für Solarstrom von zwei bis vier Cent bis zum Jahr 2050 vorausgesagt. Schon 2017 war es in vielen Gegenden der Welt so weit – zum Beispiel in Chile, Südindien und Zentralafrika. Eine ähnliche Entwicklung halte ich bei Elektroautos und bei Speichertechnologien für erneuerbare Energien für möglich. Einer der erfolgreichsten Solarforscher der Welt, Professor Eicke Weber: „Die Umstellung auf erneuerbare Energien ist ein großes weltweites Konjunkturprogramm“.
Oder Tony Seba, einer der wichtigsten Vordenker in Sachen saubere Energie und sauberer Verkehr sowie Silicon-Valley-Unternehmer: „Die Welt wird sich verändern. Radikal. Bis 2030.“ Diese disruptiven – die alten Technologien rasch verdrängenden  - Veränderungen vollziehen sich weit schneller als selbst Zukunftsexperten vorausgesagt haben. Und wir können sagen: Wir sind dabei gewesen.

Quelle   Franz Alt 2017

Dienstag, 26. Dezember 2017

Clever durch dunkle Jahreszeit

Die Kombination Erneuerbarer Energien ermöglicht preiswerte Wärmeversorgung, wie ein Beispiel aus Deutschland zeigt.



In den kalten Wintermonaten die Kraft der Sonne nutzen: Das ist im Zusammenspiel mehrerer Erneuerbarer Energien möglich. Denn Solarenergie, Erdwärme und Holzenergie lassen sich dank moderner Speicher und Wärmenetze optimal kombinieren. Wie das geht, zeigt die Parkstadt Frankfurt-Unterliederbach, wo sich Wärme aus Holzpellets und der wetterabhängigen Solarthermie im Wärmenetz ergänzen. Komplettiert werden sie durch innovative Speicher. „Die Parkstadt ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie eine regenerative Wärmeversorgung kostengünstig und klimaschonend gelingt“, erklärt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

© Buck | B&O Wohnungswirtschaft GmbH | Am Rand der Parkstadt
Unterliederbach sind die Plusenergiehäuser an den Photovoltaik-
und Solarthermie-Anlagen zu erkennen.
Im Hintergrund steht die Heizzentrale für das Wärmenetz.
Der Wärmesektor verursacht derzeit mehr als 1/3 des energiebedingten CO2-Ausstoßes in Deutschland. Abhilfe können nur verbesserte Energieeffizienz und der Ausbau Erneuerbarer Energien schaffen. Für beides sind indes die Bedingungen nicht einfach. Erhoffte politische Impulse für effiziente Sanierungen unserer Häuser durch ein Gebäudeenergiegesetz blieben in der letzten Wahlperiode des Bundestages aus. Und die klimaschützende Wirkung Erneuerbarer Energien spiegelt sich preislich nicht am Markt wider. Immerhin gilt für Neubauten die Pflicht zur Integration eines Anteils von Erneuerbaren in die Wärmeversorgung.

Diese Pflicht rechnet sich, etwa im neuen Quartier in Frankfurt-Unterliederbach, wo die Konversions-Grundstückentwicklungsgesellschaft (KEG) das Viertel teils im sozialen Wohnungsbau mit Plusenergiehaus-Standard für mehr als 1.000 Menschen erschlossen hat. Das Wärmenetz des kommunalen Versorgers Mainova ist als Insellösung nicht an dessen flächendeckendes Frankfurter Fernwärmenetz angeschlossen. Wichtigste Wärmequelle ist Holz aus dem benachbarten Odenwald: Ein mit Holzpellets befeuerter Kessel speist Wärme für die Gebäude in das Wärmenetz ein. Die Plusenergiehäuser decken im Jahresmittel 110 Prozent des eigenen Bedarfs. Das darüber hinausgehende Angebot an Solarwärme darf in das Wärmenetz eingespeist werden, kann aber auch in den Sommermonaten im Erdreich gespeichert werden. In einer 140 Kubikmeter großen Wasserzisterne wird die Solarwärme in den Wärmespeicher mittels Sole geleitet. In den Wintermonaten wird die Wärme so lange entnommen, bis das Wasser um die Röhre zu gefrieren beginnt. Aus dem Wärme- wird dann ein Eisspeicher.

Mit dem Projekt konnte die KEG als Vermieter das Ziel verwirklichen, im sozialen Wohnungsbau die Nebenkosten für das Heizen und die Gebäudetechnik langfristig niedrig zu halten, dadurch dass Erneuerbare Energien genutzt werden. Die Wärmenetzkunden in dem Quartier zahlen für eine Kilowattstunde Wärme rund 5,5 bis 6 Cent. Der jährliche Grundpreis beträgt 350 Euro. „Das vorbildliche Projekt beweist: Die Wärmewende ist auch im sozialen Wohnungsbau zu schaffen. Mit Erneuerbaren Energien können Plusenergiehaus-Standard und kostengünstiges Bauen Hand in Hand gehen“, erklärt AEE-Geschäftsführer Vohrer.


Samstag, 23. Dezember 2017

Rohrkrepierer kontra PV

Die Basler Zeitung - einst als Vorgängermedium die progressive Nationalzeitung - fristet das Dasein des hässlichen Entleins in der hiesigen Presselandschaft. Besitzer im Hintergrund ist SVP-Blocher, Chefredaktor im (häufigen) Vordergrund Markus Somm. Und jetzt ziert auch noch der ehemalige Weltwoche-Redaktor und Klimaleugner Alex Reichmuth mit seinem Konterfei die Redaktionsgalerie. Da konnte der Angriff auf die Photovoltaik (PV) nicht lange auf sich warten.

Weit verbreitet ist PV unterdessen auch
in den Ländern des Südens, wie hier im
Südpazifik auf den Cook Islands (Bild:
Guntram Rehsche)
In dieser Woche hat Reichmuth unter dem Titel «Die verheerende Bilanz von Solarenergie» zugeschlagen. Seiner verheerenden Bilanz zugrunde liegt die Studie eines ETH-Ingenieurs, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit abstrusen Angriffen auf die Solarenergie hervortat. Näheres dazu im verlinkten Artikel. Nachfolgend seien die wichtigsten Gegenargumente aufgeführt, die der Solarmedia-Autor im Diskussions-Blog beigesteuert hat. Hingewiesen sei auch noch auf die Stellungnahme des Fachverbandes Swissolar > hier.

Fällt niemandem auf, wie falsch die im BaZ-Artikel verwendeten Zahlen sind?
- Behauptung: «Laut Zahlen des Bundes resultieren bei neuen Solarpanels im Schnitt 106 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Quadratmeter Solarpanel.» Richtig ist: Der Ertrag liegt um mehr als 50 Prozent höher (1 KWp liefert p.a. über 1000 KWh, benötigt heutzutage 5-6 m Fläche)
- «Insgesamt kann bei Solarpanels in der Schweiz von einem Energieertrag von rund 2200 kWh pro Quadratmeter ausgegangen werden.» In 25 Jahren liefert das Modul richtigerweise mind. 20'000 KWh, pro m2 also rund doppelt so viel Strom.
- «Heute werden über 80 Prozent der Solarpanels in China gefertigt.» Der Anteil liegt eher bei 60 Prozent - und bei in der Schweiz verbauten Anlagen wohl noch tiefer. Und: Module werden nicht zwingend mit Kohlestrom erzeugt.

Nicht nur sind also die im Artikel im Detail verwendeten Zahlen falsch. Auch die grundsätzliche Entwicklung der Solarenergie wird falsch eingeschätzt. Und es braucht auch keine wissenschaftlichen Studien - obwohl mehrere vorhandene die Aussagen klar widerlegen. Gesunder Menschenverstand genügt: Die ganze Welt baut PV-Anlagen - das nicht nur im Süden, sondern auch in GB, N, Dänemark, alle mit schlechterer Sonneneinstrahlung als in der Schweiz. Brennstoff steht gratis zur Verfügung und die Technologie verbessert sich immer noch - CH-Forschung ist dabei übrigens besonders erfolgreich. Die mit Preisen bewerteten Einzelschritte pro m2 sind viel zu hoch.
 
Besonders neckisch: Die Unterstützer des BaZ-Artikels  widerlegen teils mit ihren eigenen Zahlen die aufgestellten Behauptungen. Zum Beispiel mit dem Hinweis auf den Jahresertrag von 200 KWh / m2 Modulfläche - das macht in 25 Jahren dann eben 5000 KWh und nicht nur deren 2200 wie im Artikel bekauptet. Selbst bei Berücksichtigung der Degradation (Leistungsminderung über die Jahre) bleibt ein deutliches Energieplus! Es bleibt trotz aller  Zahlenaktobatik  dabei: Solarenergie zahlt den Energieeinsatz um ein mehrfaches zurück - sonst wäre die Welt ja auch energetisch schon längst abgesoffen beim aktuell beobachteten PV-Wachstum.

Und Photovoltaik ist unterdessen eine der wichtigsten neuen Energiequellen, so auch in südlichen Ländern, etwa in Indien (mit einem der grössten PV-Programme überhaupt - in Gujarat, dem Herkunftsstaat von Premier Modi seit Jahren, im Rest von Indien aktuell), in Südafrika, in Brasilien, in Mexiko, auf den Cook Islands in der Südsee (siehe Bild oben), im Süden der USA und auf Hawaii sowie auf kleineren Inseln, die bereits zu 100 Prozent mit Erneuerbaren resp. dem Mix von Sonne und Wind ihren Energiebedarf decken.

Ergänzend liesse sich noch festhalten: Bei allem ideologischen Geplänkel ist es Zeit, an die falschen Zahlen des Artikels zu erinnern: «Der Aufwand für die Verzinsung der Investitionen wird übersehen.» Jede Wirtschaftlichkeitsrechnung enthält den Zins als Kostenbestandteil - er wurde ja auch in der viel kritisierten KEV verwendet - und dort häufig als zu hoch kritisiert, weil damit die Anlagenbauer sich eine vermeintlich goldene Nase verdienten - ja was nun? «Der Stromertrag wird buchstäblich mittels Schönwetter-Annahmen ermittelt.» Aufgrund eigener Erfahrung kann ich feststellen, dass der häufig postulierte Jahresertrag pro Kilowattstunde peak meist erreicht wird bei einigermassen gut ausgerichteten Anlagen. In den letzten zehn Jahren zeigten Versuchsanlagen wie jene der EKZ in Zürich-Dietikon sogar deutlich höhere Erträge.

Freitag, 22. Dezember 2017

Dreckige Energie-Dinosaurier

Mit der Energiestrategie 2050 macht sich die Schweiz in Richtung Energiewende auf. Bei den vier grössten Schweizer Energiekonzernen Axpo, Alpiq, BKW und Repower ist diese allerdings noch wenig fortgeschritten. Nur knapp ein Drittel ihrer Produktion ist erneuerbar. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES hat den Strommix der Konzerne analysiert und fordert die Konzerne auf, stärker auf neue erneuerbare Energien zu setzen.
Die vier grössten Schweizer Stromproduzenten setzen weiterhin auf schmutzige Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke. Neue erneuerbare Kraftwerke sind in den Kraftwerkportfolios nach wie vor wenige zu finden. So haben die vier Betreiber beispielsweise letztes Jahr zusammen nur gerade einen Anteil von 3.6% Windstrom produziert. Zum Vergleich: Die Axpo alleine hat im selben Zeitraum dreimal so viel Strom aus Erdgas erzeugt.



Strommix wird fossiler
Die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde sind bei Alpiq, Axpo und BKW im Vergleich zum vorherigen Jahr erneut angestiegen, ihr Strommix ist insgesamt noch fossiler geworden. Kohle- und Gaskraftwerke in Europa treiben nicht nur den Klimawandel an, sie tragen auch stark zum Stromüberschuss bei und halten so die Preise an der Strombörse tief. Darunter leidet wiederum die Rentabilität der einheimischen Wasserkraftwerke.

Alpiq ist bei den CO2-Emission mit 282 g pro Kilowattstunde nach wie vor einsame Spitze im Sündenregister der SES. Ein Fünftel ihrer Produktion stammt aus europäischen Gaskraftwerken. Auf Rang zwei folgt Repower. Die Axpo schneidet im Anteil pro Kilowattstunde zwar besser ab, produziert jedoch mengenmässig am meisten Strom aus fossilem Erdgas.



Atommüll: Leichter Rückgang wegen Stillständen
Obwohl die alten Schweizer AKW keinen Profit mehr abwerfen, klammern sich die Konzerne an ihre einstigen Goldesel. So fällt tagtäglich mehr gefährlich strahlender Müll an, ohne dass eine Lösung für dessen Entsorgung in Sicht wäre. Obwohl das Atomkraftwerk Beznau I seit rund 1'000 Tagen stillsteht und auch das Atomkraftwerk Leibstadt wiederholt aufgrund von Problemen bei den Brennstäben abgeschaltet werden musste, ist der Anteil an radioaktiv belastender Stromproduktion weiterhin hoch. Die Axpo hat 2016 pro Kilowattstunde 29 Gramm radioaktiven Abfall in die Welt gesetzt. Auch die BKW produzierte im vergangenen Jahr 26 Gramm pro Kilowattstunde.

Axpo und Alpiq belasten die Umwelt am stärksten
Eine umfassendere Bewertung der Umweltschädlichkeit bietet eine Berechnung der Umweltbelastungspunkte (UBP), die neben Klimagasen und dem radioaktiven Abfall auch Aspekte wie den Ressourcenverbrauch oder die Landnutzung betrachten. Auch dieses Jahr schneidet die Axpo in diesem Bewertungssystem am schlechtesten ab.



Klimaschutz predigen und Kohlekraftwerke bauen
Die Energiewende ist in vollem Gange, doch die grossen Schweizer Firmen agieren als Bremsklötze. Axpo und Alpiq schlagen der Schweizer Politik unter dem Deckmantel Klimaschutz Strommarktmodelle vor, die Atom- oder Gaskraftwerke begünstigen. SES-Projektleiter Felix Nipkow kritisiert: «Gleichzeitig im Ausland fossile Kohle- und Gaskraftwerke zu betreiben, ist scheinheilig.»

Die SES fordert Axpo, Alpiq, Repower und die BKW dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und ihre fossile Stromproduktion durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Zudem gehören die maroden Atomkraftwerke stillgelegt.
» Download Grafiken «Dreckstromranking 2016» (pdf)
» Download Hintergrundpapier «Dreckstromranking 2016» (pdf)

Quelle: Energie-Stiftung

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Unabhängigkeit sieht anders aus

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES ist mit den heute publizierten Experten-Prüfberichten zu den AKW-Stilllegungs- und Entsorgungskosten mässig zufrieden. Zwar sollen die provisorischen Beiträge in die dafür vorgesehen Fonds mit weiteren Zuschlägen versehen werden. Diese sind aus Sicht der SES allerdings viel zu tief. Es bleibt fraglich, ob damit die künftigen Kosten wirklich vollumfänglich durch die AKW-Betreiber getragen werden.

Erneut sind die Kostenprognosen für Stilllegung und Entsorgung der Schweizer AKW angestiegen: um 7,9% auf 23,484 Milliarden Franken (im Verlgeich zur Kostenstudie 2016 von Swissnuclear). Die heute von der Kommission für den Stilllegungsfonds und den Entsorgungsfonds (Stenfo) präsentierten Prüfberichte stützen zumindest ansatzweise die wichtigste Forderung der SES: Die Sicherheitszuschläge für die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds sind zu erhöhen. Gemäss Vorschlag der Stenfo sollen diese um 5% (Stilllegungsfonds) und 12,7% (Entsorgungsfonds) ansteigen. Das reicht aus Sicht der SES allerdings noch nicht.

Finanzierungsrisiken ungenügend abgedeckt
Nils Epprecht, Projektleiter Atom & Strom, fordert das UVEK, das für die endgültige Verfügung der Beiträge zuständig ist, auf: «Es braucht höhere Sicherheitszuschläge, sonst leben die AKW-Betreiber weiter auf Kosten der künftigen Steuerzahlenden.» Konkret wird die in der Kostenstudie 2016 bewusst geführte Vermischung von bautechnischen Risiken der geologischen Tiefenlager und Finanzierungsrisiken in den Fonds nicht bemängelt. Dies führt dazu, dass Risiken wie ausbleibende Zinseinnahmen in den nächsten 60 Jahren oder fehlende Nachschussmöglichkeiten der als separate Aktiengesellschaften geführten AKW Gösgen und Leibstadt einfach auf die Bevölkerung überwälzt werden.

Fehlanreize werden nicht bemängelt
Im heutigen System müssen die AKW-Betreiber weniger Geld beiseite legen, wenn sich das Atommüll-Tiefenlager der Nagra verzögert. Die AKW-Betreiber haben also ein direktes Interesse, dass die ihnen gehörende Nagra langsam arbeitet. Doch dieser Fehlanreiz wurde zum grossen Erstaunen der SES durch die Prüfer nicht bemängelt.

Befangener Studienautor
Die SES kritisiert weiterhin, dass der Lobbyverband der AKW-Betreiber Swissnuclear die Kostenstudien erstellt. Dieser weist als ein offizielles Ziel aus, dass die Beiträge der AKW-Betreiber möglichst tief sein sollen. Dieser Interessenskonflikt kann nur aufgehoben werden, wenn in Zukunft eine unabhängige Stelle die Kostenstudien erstellt. Denn auch wenn die Transparenz der Kostenstudie im Vergleich zur 2011er-Version verbessert wurde, erachtet die SES deren Nachvollziehbarkeit für aussenstehende Experten nach wie vor als zu gering.

Dynamische Umweltwirtschaft

Zwischen 2008 und 2016 nahm die Wertschöpfung des Umweltsektors in der Schweiz von 16,3 auf 21,3 Milliarden Franken zu (+30%). Ihr Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) erhöhte sich dabei von 2,7% auf 3,2%. Die Beschäftigung im Umweltsektor belief sich im Jahr 2016 auf 150 200 Vollzeitäquivalente (2008: 110 700), was 3,8% der Gesamtbeschäftigung entspricht (2008: 3%). Diese Dynamik ist vor allem den Aktivitäten im Zusammenhang mit Energiesparmassnahmen im Gebäudebau und der Erzeugung erneuerbarer Energie zu verdanken. Diese ersten Schätzungen beruhen auf der Umweltgesamtrechnung, die das Bundesamt für Statistik (BFS) erarbeitet.
 
Der Umweltsektor umfasst Aktivitäten zur Herstellung von Gütern bzw. zur Erbringung von Dienstleistungen, die zum einen die Umwelt vor Verschmutzung und sonstigen Beeinträchtigungen schützen und zum anderen eine schonende Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen begünstigen. Zwischen 2008 und 2016 sank die Wertschöpfung im Bereich Umweltschutz von 7,3 auf 6,9 Milliarden Franken (-5%). Die Wertschöpfung in der Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen stieg dagegen von 9 auf 14,4 Milliarden Franken (+59%). Die Zahl der Beschäftigten nahm beim Umweltschutz von 56 200 auf 57 900 Vollzeitäquivalente zu (+3%), im Bereich Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen kletterte sie von 54 500 auf 92 300 Vollzeitäquivalente (+70%).

 

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz verleihen dem Sektor Auftrieb

Zwischen 2008 und 2016 nahmen die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Erzeugung erneuerbarer Energie und der energetischen Sanierung des Gebäudeparks, die Isolierarbeiten sowie den Bau von Gebäuden mit niedrigem Energieverbrauch umfasst, stark zu. 2016 betrug ihre Wertschöpfung 12,9 Milliarden Franken (+76% gegenüber 2008), die Anzahl Beschäftigte belief sich auf 79 500 Vollzeitäquivalente (+89%). 

Die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Abfallströmen für deren Wiederverwendung als Sekundärrohstoffe, dank der ein weiterer Abbau von natürlichen Ressourcen vermieden werden kann, verbuchte im Jahr 2016 ein Beschäftigungsvolumen von 5100 Vollzeitäquivalenten und eine Wertschöpfung in Höhe von 0,6 Milliarden Franken. Auf die nachhaltige Forstwirtschaft entfielen im gleichen Jahr eine Wertschöpfung von knapp 0,4 Milliarden Franken und ein Beschäftigungsvolumen von 4200 Vollzeitäquivalenten.

 

Unterschiedliche Entwicklungen im Bereich Umweltschutz

Die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Abfall- und Abwasserwirtschaft generierten im Jahr 2016 eine Wertschöpfung von 4,8 Milliarden Franken (-13% gegenüber 2008) bei einer Beschäftigung von 30 600 Vollzeitäquivalenten (-9%). Bei den restlichen Aktivitäten im Bereich Umweltschutz war sowohl bei der Wertschöpfung als auch punkto Beschäftigungszahlen ein Anstieg zu verzeichnen. Zu beobachten war dies insbesondere bei den Aktivitäten im Bereich Boden- und Gewässerschutz, die hauptsächlich dem Biolandbau zuzuschreiben sind. Hier wurde 2016 eine Wertschöpfung von 0,6 Milliarden Franken (+10%) registriert, während sich die Anzahl Beschäftigte auf 14 100 Vollzeitäquivalente (+11%) belief. Der Schutz der Artenvielfalt und der Landschaften erwirtschaftete im Jahr 2016 eine Wertschöpfung von knapp 0,4 Milliarden Franken (+81%) bei einem Beschäftigungsvolumen von 5400 Vollzeitäquivalenten (+92%). Im Bereich Luftreinhaltung und Klimaschutz lag die Wertschöpfung im Jahr 2016 bei knapp 0,3 Milliarden Franken (+22%), das Beschäftigungsvolumen betrug 1700 Vollzeitäquivalente (+6%).

 

Baugewerbe und Industrie stellen mehr als die Hälfte der Beschäftigten

Im Jahr 2016 wurden im Umweltsektor 60 800 Vollzeitäquivalente im Bauwesen (+81% gegenüber 2008), 21 100 im Primärsektor (+14%), 19 900 in der Industrie (+13%), 16 800 in der Branche Energie- und Wasserversorgung sowie Abfall- und Abwasserwirtschaft (+22%), 14 300 in der öffentlichen Verwaltung (-2%) sowie 14 700 in der Branche freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (+48%) beschäftigt.

 

Über den Umweltsektor hinaus

Der öffentliche Verkehr und die integrierte landwirtschaftliche Produktion sind auf internationaler Ebene vom statistischen Perimeter des Umweltsektors ausgeschlossen. In der Schweiz werden sie jedoch vor dem Hintergrund der «Grünen Wirtschaft» als Cleantech-relevante Bereiche betrachtet. Unter Berücksichtigung dieser beiden Bereiche erzielten die umweltbezogenen Aktivitäten im weiteren Sinne 2016 eine Wertschöpfung von 30,8 Milliarden Franken (+28% gegenüber 2008), was 4,7% des BIP entspricht. Das Beschäftigungsvolumen betrug 211 200 Vollzeitäquivalente (+28%). Dies entspricht 5,3% der Gesamtbeschäftigung.

 

Internationaler Vergleich

Die Ermittlung der wirtschaftlichen Bedeutung des Umweltsektors befindet sich in der Schweiz wie auch in der Europäischen Union, deren Mitgliedsländer Ende Dezember 2017 erstmals Daten an Eurostat übermitteln müssen, im Endstadium der Entwicklungsphase. Folglich werden in naher Zukunft zuverlässige internationale Vergleiche möglich sein.



Download Medienmitteilung


Mittwoch, 20. Dezember 2017

Ein Fass ohne Boden



Das Departement Umwelt Verkehr Energie und Kommunikation UVEK soll sicherstellen, dass für die Finanzierung der Stilllegung und Entsorgung der Schweizer AKW die Betreiber aufkommen, und nicht die Steuerzahlenden, wie die aktuelle Kostenstudie 2016 befürchten lässt. Am Dienstag hat die Schweizerische Energie-Stiftung SES eine entsprechende Petition beim UVEK eingereicht. Knapp 5’500 Personen haben diese in den letzten vier Wochen unterzeichnet und geben so den Forderungen der SES zusätzliches Gewicht.

Montag, 18. Dezember 2017

Nur keine Bildung ist teurer

250‘000 Waldbesitzer als Brennstofflieferanten, 575‘000 Betreiber von Holzfeuerungen, eine Zunahme der Energieholznutzung seit 1990 um mehr als 50% - die Holzenergieszene unseres Landes zeichnet sich einerseits durch eine ausserordentliche Vielfalt, andererseits durch starke Veränderungen aus. Umso wichtiger ist die Bedeutung der Aus- und Weiterbildung geworden. 

Holzenergie Schweiz setzt sich seit bald 40 Jahren für eine sinnvolle energetische Nutzung der Holzenergie und eine nachhaltige Ausschöpfung des ökologischen und ökonomischen Energieholzpotenziales ein. Zu diesem Zweck förderte der Verband schon immer die Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der „Wärme aus dem Wald“. Ein erster Runder Tisch vom April 2016 mit allen relevanten Stakeholdern der Branche hat grundsätzlich das klare Bedürfnis nach einer verbesserten Koordination der vielfältigen Aktivitäten aufgezeigt. 

Dank Unterstützung durch das Bundesamt für Energie kann dieser Bereich professionalisiert und ausgebaut werden. Damit soll insbesondere auch dem raschen Wandel besser Rechnung getragen werden, welcher sich sowohl bezüglich der Technologien als auch hinsichtlich der am Markt auftretenden Bauherren beobachten lässt. In diesem Umfeld will der Dachverband einen Beitrag leisten, dass die zahlreichen Akteure noch besser von bereits gemachten Erfahrungen und Arbeiten profitieren können. Konkret wird zurzeit ein Kompetenzzentrum für Inhalte und Anbieter im Bereich Aus- und Weiterbildung Holzenergie aufgebaut und etabliert. Holzenergie Schweiz als Koordinationsstelle kommuniziert regelmässig über Bildungsangebote, bietet Schulungen für Dozierende an, organisiert Veranstaltungen und unterstützt Akteure aus dem Netzwerk bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen (Themeninputs, Inhaltsinputs, Vermittlung von Kontakten und Referenten etc.). 2018 wird zudem wieder ein Runder Tisch zum Thema Aus- und Weiterbildung Holzenergie organisiert. Alle Akteure sind eingeladen, Ihre Veranstaltungen und Aktivitäten der Koordinationsstelle mitzuteilen, damit diese sie im Netzwerk weiter vermitteln kann.

Über den Verein Holzenergie Schweiz
Seit bald 40 Jahren fördert Holzenergie Schweiz eine sinnvolle, umweltgerechte, moderne und effiziente energetische Verwendung von Holz, dem zweitwichtigsten erneuerbaren und einheimischen Energieträger der Schweiz. Mit einer Vielzahl von attraktiven und modernen Dienstleistungen sind wir für Fachleute, Bauherren, Politiker, Firmen und interessierte Privatpersonen ein wichtiger und kompetenter Ansprechpartner im Bereich Holzenergie.

Erfahren Sie mehr unter www.holzenergie.ch

Samstag, 16. Dezember 2017

Auch links und rechts beachten

Liebe Leserin, lieber Leser
Ich freue mich über Ihr ungeteiltes Interesse an Meldungen und Berichten aus der weltweiten Solarwirtschaft. Zur Ergänzung dienen die Hinweise / Links in der ganz linken und der rechten Spalte von Solarmedia, die zu interessanten Artikeln aus internationalen Medien zu den Themen Solar, Energie allgemein und Nachhaltigkeit (linke Spalte) sowie Finanz-Anlage und Vorsorge (rechte Spalte) führen.

Montag, 11. Dezember 2017

Banken untergraben Klimaabkommen

Banken und Investoren gefährden die Pariser Klimaziele  - Milliarden für die Entwickler neuer Kohlekraftwerke. 

Am Tag vor dem zweiten Geburtstag des Pariser Klimaschutzabkommens belegen zwei neue Berichte, wie stark große Banken und Investoren die Klimaschutz-Ziele von Paris untergraben. Die Berichte zeigen, dass Großbanken zwischen Januar 2014 und September 2017 den 120 wichtigsten Kohlekraftwerksentwicklern 630 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt haben und große institutionelle Investoren derzeit fast 140 Milliarden US-Dollar in dieselben Unternehmen investieren. 

„Während Klimaforscher warnen, dass wir den Ausstieg aus bestehenden Kohlekraftwerken beschleunigen müssen, geben Banken und Investoren immer noch Milliardenbeträge an Unternehmen weiter, die neue Kohlekraftwerke planen", kritisiert Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. 

Die ergänzenden Berichte "Banks vs. the Paris Agreement" und "Investors vs. the Paris Agreement" wurden von den NGOs BankTrack, urgewald, Les Amis de la Terre (Frankreich), Re:Common (Italien) und Rainforest Action Network (USA) auf dem Climate Finance Day in Paris veröffentlicht, bei dem die Klimabemühungen der Finanzwirtschaft seit Inkrafttreten des Abkommens von Paris diskutiert werden. In den Studien wird das finanzielle Engagement von Banken und Investoren bei den 120 weltweit wichtigsten Entwicklern von Kohlekraftwerken untersucht. Diese Unternehmen sind für 2/3 der weltweit geplanten neuen Kohlekraftwerke verantwortlich und planen den Bau von über 550.000 Megawatt – was den Kohlekraftwerksparks von Indien, USA und Deutschland entspricht. 

Banken unterstützten diese Unternehmen im Zeitraum von Januar 2014 bis September 2017 mit Krediten sowie der Ausgabe von Aktien und Anleihen in Höhe von 630 Mrd. USD, wobei chinesische und japanische Banken 68% des Gesamtbetrags vergaben. In den zwei Jahren seit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens haben die Banken den 120 wichtigsten Entwicklern von Kohlekraftwerken 275 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt. 

17 der 20 größten Banken im Bereich von Anleihe- und Aktienemissionen für Kohlekraftwerksentwickler sind chinesische Banken, die Industrial and Commercial Bank of China an der Spitze, die den Entwicklern von Kohlekraftwerken auf diesem Wege über 33 Mrd. USD zur Verfügung gestellt hat. „China hat bereits wichtige Schritte unternommen, um seinen heimischen Kohleverbrauch zu reduzieren. Nun muss das Land auch bei den Geldern für die chinesische Kohleexpansion in Übersee eingreifen. Wenn es China ernst ist mit dem Führungsanspruch beim Klimaschutz, muss es die riesigen Finanzströme seiner Banken für Entwickler von Kohlekraftwerken stoppen", sagt Yann Louvel, Klima- und Energiekoordinator bei der NGO BankTrack.

Bei der Kreditvergabe sieht das Bild ganz anders aus. Die beiden größten Kreditgeber für Kohlekraftwerksentwickler sind die japanischen Banken Mizuho Financial und Mitsubishi UFJ Financial mit 11,5 Mrd. USD bzw. 10,2 Mrd. USD. Shin Furuno, Campaigner bei der japanischen Sektion der NGO 350.org, sagt: „Mizuho Financial Group, Mitsubishi UFJ Financial Group und Sumitomo Mitsui Banking Corporation haben 25,3 Milliarden US-Dollar an Unternehmen vergeben, deren Kohlekraftwerke das 2°C-Ziel unerreichbar zu machen drohen. Japanische Banken müssen sich endlich zu Kreditvergabe-Richtlinien verpflichten, die mit dem Pariser Abkommen in Einklang stehen.“


Während immer mehr westliche Banken die direkte Finanzierung von Kohlekraftwerksprojekten einschränken, setzen sie die Finanzierung der dafür verantwortlichen Firmen fort. Fast die Hälfte der größten 20 Kreditgeber für Kohlekraftwerksentwickler sind westliche Banken wie ING, Citi, Société Générale, HSBC und Deutsche Bank. HSBC und Citi gehören auch zu den Top 20 Banken im Bereich Aktien- und Anleiheemissionen für Kohlekraftwerkentwickler. Die HSBC kündigte auf dem jüngsten UN- Klimagipfel an, dass sie weiterhin Kredite für Kohlekraftwerke in Entwicklungsländern vergeben wird, wo 90 % der neuen Kohlekraftwerke geplant sind. Im Jahr 2016, also im Jahr nach der Unterzeichnung des Pariser Abkommens, haben neun westliche Großbanken ihre Finanzierung für die wichtigsten Kohlekraftwerksentwickler aufgestockt. [2]
Yann Louvel von BankTrack kommentiert: „Trotz der Klimarichtlinien der Banken kann das Geld für die Unternehmen, die Hunderte neuer Kohlekraftwerke bauen wollen, nach wie vor fast ungehemmt fließen. Die Banken müssen diese Lücken schließen und anfangen, den Entwicklern von Kohlekraftwerken konsequent Gelder zu verweigern.“ 

Der Bericht "Investors vs. the Paris Agreement" zeigt 1.455 institutionelle Investoren, die Investitionen in die 120 wichtigsten Kohlekraftwerksentwickler halten mit einem Gesamtvolumen von fast 140 Mrd. USD. „Wir haben die Portfolios von Pensionsfonds, Versicherern, Investmentfonds, Vermögensverwaltern, Staatsfonds und den Anlageabteilungen von Geschäftsbanken untersucht. Die Verfügbarkeit von Daten war jedoch ein echtes Problem, da viele Pensionsfonds nicht über ihre Bestände berichten. Die von uns gefundenen institutionellen Investitionen in Höhe von 139,6 Milliarden US-Dollar in Kohlekraftwerksentwickler sind wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs", erklärt Schücking.

Der weltweit größte Investor der Kohlekraftwerksentwickler ist der US-amerikanische Investment-Gigant BlackRock, der Aktien und Anleihen im Wert von 11,5 Milliarden US- Dollar an diesen Unternehmen hält. Es folgen Japans Government Pension Investment Fund mit Investitionen in Höhe von 7 Mrd. USD und der US-Investmentmanager Vanguard mit Investitionen in Höhe von 5,7 Mrd. USD. 

„Für BlackRock machen die Investitionen in Kohlekraftwerksentwickler nur einen winzigen Teil des Portfolios aus, weniger als 0,2 % des verwalteten Vermögens. Für den Rest von uns bedeuten diese Investitionen hingegen einen Riesenschritt in Richtung Klima-Katastrophe“, sagt Schücking. Die 52 Kohlekraftwerksentwickler, an denen BlackRock in vielen Fällen signifikante Anteile hält, sind insgesamt für Kohleausbaupläne in Höhe von 340.622 Megawatt verantwortlich - das entspricht der gesamten Kohlekraftwerksflotte von Indien, Japan, Südkorea und Russland. 

Insgesamt machen Investoren aus den USA 37 % der institutionellen Investitionen in Kohlekraftwerksentwickler aus. An zweiter Stelle folgen Investoren aus der Europäischen Union und Japan (je 13 %), Malaysia (9 %), China (7 %) und Indien (6 %).  „Viele der größten Investoren in unserem Ranking sind Mitglieder der ‚Institutional Investors Group on Climate Change‘ oder ähnlicher Initiativen, die regelmäßig vor der Bedrohung warnen, die der Klimawandel für unsere Wirtschaft und Gesellschaft darstellt. Es sind jedoch genau dieselben Institutionen, die Milliarden von Dollar in Unternehmen mit gewaltigen Ausbauplänen für Kohle investieren. 
 
Es ist an der Zeit, dass BlackRock, Vanguard und andere globale Investoren die unbequeme Wahrheit anerkennen, dass ihre eigenen Investitionen den Klimawandel beschleunigen“, so Schücking.


Die Berichte wurden zeitgleich mit dem Climate Finance Day in Paris veröffentlicht, der Bilanz zu den Klimaschutzmaßnahmen in der Finanzwirtschaft vor dem nächsten UN-Klimagipfel im Dezember 2018 in Kattowitz, Polen, ziehen soll. 
 
Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt fordern Banken und Investoren auf, bis zum Klimagipfel in Kattowitz Maßnahmen zu ergreifen, um die 120 wichtigsten Kohlekraftwerksentwickler aus ihrem Portfolio auszuschließen.

Der Bericht „Banks vs. the Paris Agreement“ ist hier abrufbar

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Viel Neues im neuen Jahr

Zu Jahresbeginn treten die neuen Gesetze und Verordnungen zur Energiestrategie 2050 in Kraft. Für die Installation und den Betrieb von Photovoltaikanlagen ändern sich damit die Rahmenbedingungen ganz entscheidend. 

Dank dem Wechsel von der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) zur Einmalvergütung (EIV) können deutlich mehr Anlagen gefördert werden. Dank neu möglichen Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch werden neue Projekte auf Wohn- und Gewerbebauten wirtschaftlich interessant. Am Swissolar-Weiterbildungsanlass in Olten lassen sich rund 250 Solarprofis auf den neuesten Stand bringen, damit sie ihre Kunden auch im neuen Jahr kompetent beraten können. Sie sind zuversichtlich, dass wieder mehr Solaranlagen installiert werden. 

Die vom Stimmvolk am 21. Mai beschlossenen Gesetzes- und Verordnungsänderungen zur Energiestrategie 2050 treten am 1. Januar 2018 in Kraft. Swissolar führte am Mittwoch den Weiterbildungsanlass „Solar-Update“ in Olten durch, um die Anbieter von Solaranlagen über die Details der neuen Bestimmungen zu informieren. Inhaber des Labels „Die Solarprofis®“ sind verpflichtet, sich regelmässig weiterzubilden. Trotz einiger noch offener Fragen zeigen sich die rund 250 Teilnehmer des Anlasses zuversichtlich, dass nach zwei Jahren mit rückläufigem Markt ab 2018 wieder mehr Photovoltaikanlagen installiert werden.

Eine grundlegende Änderung erfährt die Förderung ab kommendem Jahr: Das bisher wichtigste Instrument, die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), wird nur noch an jene Projekte ausbezahlt, die bereits vor Mitte 2012 angemeldet wurden. Alle anderen Anlagen werden mit der Einmalvergütung (EIV) gefördert, die maximal 30 % der Investitionskosten deckt. Dank der Neugestaltung der EIV können deutlich mehr Projekte als bisher gefördert werden – bisher gab es die EIV nur bis zu einer Anlagegrösse von 30 Kilowatt (ca. 200 m2). 

Da die rund 38‘000 Photovoltaikprojekte auf der KEV-Warteliste bei der Auszahlung der EIV bevorzugt behandelt werden, müssen sich neue Antragsteller zu Beginn in Geduld üben: Gemäss dem Bundesamt für Energie erhalten neue Projekte unter 100 Kilowatt (ca. 600 m2) ihren Beitrag erst nach etwa 2½ Jahren, können aber jederzeit ohne Zusage der Förderstelle erstellt werden. Bei grösseren Anlagen liegt die Wartezeit zu Beginn sogar bei über 6 Jahren. Doch in beiden Fällen sind die Beiträge gesetzlich garantiert, womit für Bauherren kein Risiko besteht.

Von grosser Bedeutung sind auch die vereinfachten Regelungen für den Eigenverbrauch. Neu ist der Zusammenschluss von mehreren Parzellen zur gemeinsamen Nutzung des selbst produzierten Solarstroms möglich. Dies ermöglicht eine gesteigerte Eigenverbrauchsquote, was die Rentabilität entscheidend steigert. Dazu trägt auch bei, dass die bisher teure Strommessung durch den Energieversorger innerhalb der Eigenverbrauchsgemeinschaft wegfällt. Dies macht Solaranlagen auf Mehrfamilienhäusern und Gewerbebauten besonders interessant.

Auch bei optimiertem Eigenverbrauch wird ein Teil des Solarstroms ans öffentliche Netz abgegeben. Die Berechnung der Entschädigung für diesen Überschuss wurde im Gesetz neu geregelt, was in vielen Versorgungsgebieten zu einer Erhöhung der Rückliefertarife führen wird, womit sich die Rentabilität von Solaranlagen weiter verbessern kann. In jedem Fall lohnt es sich, bei der Planung einer Anlage einen von Swissolar zertifizierten Solarprofi beizuziehen – die Website www.solarprofis.ch hilft bei der Suche nach einem lokalen Anbieter.

Über Swissolar
Swissolar vertritt als Branchenverband die Interessen von 700 Verbandsmitgliedern mit rund 6‘500 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden.
Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein. Wärme und Strom von der Sonne nehmen dabei eine zentrale Stellung ein.

Quelle:  www.swissolar.ch

Montag, 4. Dezember 2017

Konsum ist der Flaschenhals

Von der Beseitigung der Armut bis hin zur Gleichstellung der Geschlechter, widerstandsfähigeren Städten oder Maßnahmen zum Klimaschutz – positive Wechselwirkungen zwischen den meisten Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) können Fortschritte befördern.


Doch es gibt auch Zielkonflikte, die ein Hindernis für die erfolgreiche Umsetzung der Ziele für  mehr Nachhaltigkeit im Jahr 2030 sein können. Das ist das Ergebnis einer neuen, umfassenden Analyse eines Teams von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Ein Flaschenhals ist der verantwortungsbewusste Konsum, wie Daten der letzten Jahrzehnte zeigen. „Die Ziele zur nachhaltigen Entwicklung zielen auf die Bewältigung komplexer, multidimensionaler Herausforderungen für die Menschheit und bestimmen die internationale Agenda bis 2030. Bislang ist jedoch nur wenig bekannt über Wechselwirkungen, Korrelationen und mögliche Konflikte zwischen den SDGs“, erklärt der Leitautor Prajal Pradhan. „Wir haben versucht, die komplizierten Zusammenhänge in einzelne Paare zu zerlegen, um herauszufinden wie sich die verschiedenen SDGs gegenseitig beeinflussen. Es stellt sich heraus, dass bei den meisten SDGs und Ländern die Synergien überwiegen. Ein Ziel steht jedoch in Konflikt mit einer ganzen Reihe anderer Ziele – nämlich verantwortungsbewusster Konsum und Produktion.“ Verbesserungen des menschlichen Wohlbefindens, des wirtschaftlichen Wohlstands und der Lebensstile gehen derzeit noch weitgehend mit einem Anstieg des Konsums einher – und damit wachsenden ökologischen und materiellen Fußabdrücken. Um die Entwicklungsagenda von 2030 erfolgreich umzusetzen, müssen solche Zielkonflikte entsprechend erkannt, angegangen und gelöst werden.

Die 2015 beschlossenen Ziele zur nachhaltigen Entwicklung umfassen 17 Ziele und 169 Zielvorgaben. Die Ziele der Vereinten Nationen für die Welt 2030 sind der Rahmen, an dem die Mitgliedstaaten ihre Politik für Entwicklung und Nachhaltigkeit ausrichten wollen. Deshalb ist es so zentral, Synergien und Konflikte durch Interaktionen zwischen den Zielen zu identifizieren, um entsprechende Strategien entwickeln zu können. Bisher wurden die SDGs meist nur qualitativ analysiert, jeweils für nur wenige Ziele oder einzelne Regionen der Welt.

Lehren aus der Vergangenheit ziehen: Die Daten zeigen mehr Synergien als Konflikte  - „Unsere Studie liefert die erste vollständige Quantifizierung von Synergien und Konflikten, wie sie in Daten der letzten Jahrzehnte bis hin zur Gegenwart innerhalb und zwischen den SDGs sowohl auf Länderebene als auch auf globaler Ebene nachgewiesen werden können“, sagt Ko-Autor Jürgen Kropp, stellvertretender Vorsitzender des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung & Vulnerabilität. Durch den statistischen Ansatz auf der Basis von Daten der UN-Statistikabteilung zu 122 Indikatoren für mehr als 200 Länder zwischen 1983 und 2016 „war es uns möglich, die Lehren der Vergangenheit aus den Daten herauszuarbeiten. Dies ist ein einfacher, aber immens nützlicher Ansatz, denn auch wenn die SDGs noch neu sind, die Herausforderungen sind es sicher nicht“.

Die Ergebnisse zeigen nicht nur mögliche Konflikte zwischen den SDGs auf, sondern verdeutlichen auch das enorme Synergiepotenzial im Kampf gegen Armut, Hunger und für Gesundheit und Wohlbefinden. Die Beseitigung der Armut und die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit haben auch einen positiven Einfluss auf die meisten anderen SDGs. So leben etwa rund drei Milliarden Menschen weltweit in Ländern, in denen die Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens mit der Bereitstellung von sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen einhergeht. Herauszufinden, welche Länder bereits von solchen Synergien profitieren, könnte helfen, von guter Praxis zu lernen. Ein weiteres Beispiel: Länder, die bereits mit nachhaltigen Städten in Zusammenhang gebracht werden können, scheinen auch beim Klimaschutz gut zu punkten – was ebenfalls auf ein starkes Synergiepotenzial hinweist. Die Ergebnisse der Studie können die Basis bilden, um detailliertere Konzepte zu entwickeln mit Blick auf robuste Aussagen zum Erfolg der SDGs in der Zukunft.  

„Die SDGs stehen für eine ganzheitliche und multidimensionale Entwicklungsperspektive“, sagt Ko-Autor Wolfgang Lucht, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Erdsystemanalyse. „Der hier vorgestellte empirische Rahmen zur Abschätzung von SDG-Wechselwirkungen leistet einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen politischen Umsetzung der Agenda zur nachhaltigen Entwicklung. Das Erreichen der SDGs ist von zentraler Bedeutung für die notwendige große Transformation, mit der jene nicht nachhaltigen Verhältnisse überwunden werden können, die sich in den Daten der Vergangenheit widerspiegeln. Um dies zu erreichen, müssen die SDGs als ein System von miteinander in Wechselwirkung stehenden Komponenten betrachtet werden, welche zusammen der Welt eine sichere und gerechte Entwicklungsplattform anbieten“, so Lucht. „Unsere Studie zeigt, dass die UN-Ziele zur Nachhaltigen Entwicklung weit mehr sind als nur eine Ansammlung von Zielen, sondern ein System wechselseitiger Verstärkung. Während kein einzelnes dieser Ziele die Macht hat, die Welt allein zu verändern, können dies die SDGs als Ganzes erreichen.“

Freitag, 1. Dezember 2017

D: Balkonkraftwerke erlaubt



Balkonkraftwerke galten Manchen, auch in Deutschland, als "Guerilla-Sonnenenergie", doch die Technologie setzt sich dort nun durch. Steckbaren Mini-PV-Anlagen wird jetzt auch in den Normen der Weg auf die Balkone ganz offiziell geebnet. Das deutsche Regelwerk hinkt den europäischen Vorgaben und Normen sowieso schon lange hinterher, eine Anpassung war längst überfällig (wovon in der Schweiz noch nicht einmal die Rede ist). In der Sendung wird das aktuelle Regelwerk vorgestellt und verschiedene Balkonkraftwerke in ihrer Leistung und Ertrag ausgertet. Außerdem wird der aktuellen technischen Stand bei den Balkonkraftwerken gezeigt. Mit dabei: Balkonkraftwerke-Altmeister Holger Laudeley! 


Donnerstag, 30. November 2017

Gutes PV-Jahr für Österreich

Mit dem 28. November wurde der Fördertopf des Klima- und Energiefonds (8 Millionen Euro) für Kleinanlagen zwei Tage vor der Ablauffrist vollkommen ausgeschöpft. Damit können in Österreich mehr als 5.500 Anlagen gebaut werden.

Hans Kronberger vom Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA): "Die Kleinanlagenförderung ist eine phantastische Erfolgsgeschichte." Der Förderbedarf konnte von ursprünglich 2800 Euro im Jahre 2008 auf 275 Euro pro Kilowattpeak gesenkt werden. Kronberger: "Die Bedeutung liegt nicht nur im Ausbauvolumen, sondern auch in der Bewusstseinsbildung. Jede Anlage ist eine Botschaft für das zukünftige Energiezeitalter. Mit der Förderung wird eher finanzschwachen und idealistischen Errichtern der Zugang zur Eigenstromerzeugung ermöglicht. Die Sonnenstromerzeugung sichert eine gewisse Unabhängigkeit von Lieferländern fossiler Rohstoffe, schont die dafür notwendigen Devisen und stabilisiert den Strompreis." Für das Jahr 2017 hat der Branchendienst Kreutzer, Fischer und Partner einen leichten Zuwachs von 155 Megawattpeak installierte Leistung (im Jahr 2016) auf 17 Megawattpeak prognostiziert (im Jahr 2017). 
 
Der PVA sieht eine starke Tendenz zum Eigenstromverbrauch, auf Grund der stark gesunkenen Anlagenkosten, die es lukrativer machen, den gewonnen Strom selbst zu verbrauchen, als ins Netz einzuspeisen. Kronberger: "Photovoltaikstrom rechnet sich, dies erkennen immer mehr Errichter!" Der PVA wartet auf die Marktstatistik des Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) um eine Bilanz zum PV-Zubau ziehen zu können. Sehr wohl kann eine Prognose für das Jahr 2018 abgegeben werden. 

Durch die kleine Ökostromreform und die Novelle zum Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG) rechnet der PVA für das Jahr 2018 mit einem zusätzlichen Ausbauvolumen von 60 bis 70 Megawattpeak. Dies wird ermöglicht durch ein zusätzliches Fördervolumen und der ersten bundesweiten Speicherförderung in der Höhe von 15 Millionen Euro, der Möglichkeit gemeinschaftlicher Nutzung einer Anlage durch mehrere Hausparteien und einer Reihung der Anträge mit Bevorzugung der Eigenverbrauchsanlagen. Durch Letzteres ist es möglich, die gesamte Fördersumme des bisherigen Ökostromgesetzes voll zu nutzen. Dies ergibt die Chance die jährliche Fördersumme von 8 Millionen Euro voll zu nutzen. Durch einen Fehler im Gesetz verlor die Photovoltaikbranche pro Jahr zirka 2 Millionen Euro an Fördergeldern (ergibt für die gesamte Laufzeit von 13 Jahren 26 Millionen Euro, die der Photovoltaik entgingen).         
  

Montag, 27. November 2017

Bayern: Energie-Mustergemeinde

Gemeinsam mit anderen lokalen Akteuren geht die Stadt Pfaffenhofen an der Ilm mit ihren etwa 26.000 Einwohnern neue Wege.

Kommunalunternehmen Stadtwerke Pfaffenhofen a. d. Ilm
Nicht nur im Strom- und Wärmesektor ist das Engagement vorbildlich. Seit Oktober 2017 erproben die Pfaffenhofener den Einsatz von Power-to-Gas-Anlagen, um Strom aus Erneuerbaren Energien zu speichern. „Pfaffenhofen ist ein Paradebeispiel dafür, wie Kommunen gemeinsam mit anderen Akteuren vor Ort innovative Projekte umsetzen“, betont Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Die Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft und der kommunalen Stadtwerke sowie die Erstellung des Klimaschutzkonzeptes im Jahr 2013 sind wichtige Meilensteine für eine vollständige Umstellung auf Erneuerbare Energien vor Ort. Darüber hinaus gehört seit 2016 die Mehrheit des Strom- und Gasnetzes in Pfaffenhofen den Stadtwerken. 

Um den Sektor Verkehr schrittweise auf die Umstellung in Richtung Erneuerbare Energien vorzubereiten, arbeiten die Stadtwerke Pfaffenhoffen gemeinsam mit der Stadt und der Energiegenossenschaft an einem Pilotprojekt mit dessen Hilfe Strom gespeichert werden kann. Das Projekt „Infinity One“ setzt auf die Power-to-Gas Technologie. Aus erneuerbaren Strom wird Wasserstoff erzeugt und nach einer weiteren Veredelung in der örtlichen Kläranlage  können damit bis zu 250 Fahrzeuge mit Gasantrieb betankt werden. Die Bürgerenergiegenossenschaft geht derzeit davon aus, dass die Planungen bis 2020 umgesetzt sind.

Im Stromsektor produzieren 900 Erzeuger Strom aus Erneuerbaren Energien. Die Kommune geht mit gutem Beispiel voran. Der Strom für alle kommunalen Verbrauchsstellen stammt bereits zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien, so können 1.500 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Derzeit wird ein genossenschaftlicher Bürgerwindpark mit drei Anlagen umgesetzt. Bei der Erstellung des Bebauungsplans wurde im Herbst 2016 ein Bürgerentscheid durchgeführt, 57 Prozent der Befragten entschieden sich für den Bau des Windparks. Bürgermeister Thomas Herker macht deutlich: „Windkraft polarisiert immer, die Begeisterung hielt sich in Pfaffenhofen in Grenzen. Im gesamtstädtischen Kontext wurde jedoch deutlich, dass wir die gemeinsame Verantwortung haben, im eigenen Einzugsbereich das Bestmögliche umzusetzen. Durch dieses Bewusstsein in der Bevölkerung ist der Bürgerentscheid positiv ausgefallen.“

Der Erneuerbaren-Energien-Anteil der Pfaffenhofer Wärmeversorgung liegt bei 35 Prozent. Die Wärmeversorgung von 150 Abnehmern wurde durch ein 2001 in Betrieb genommenes Biomasse-Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Fernwärmenetz von Öl und Gas auf Erneuerbare Energien umgestellt. Durch das Biomasse-BHKW lässt sich der jährliche CO2-Ausstoß von 148.000 Tonnen im Vergleich zum Jahr 1990 um 65.000 Tonnen reduzieren. Zusätzlich nutzen die Pfaffenhofener, neben einem weiteren Holzkraftwerk mit Fernwärmenetz, auch kleine Anlagen auf Basis von Holzenergie, Biomasse, Klär- und Deponiegas, Solarthermie und Wärmepumpen.

Zusammenfassend betont Herker: „Pfaffenhofen an der Ilm profitiert von der Tatsache handlungsfähig zu sein und Projekte im Energiebereich selbständig gestalten zu können. Das Gelingen der Planung bis hin zur Umsetzung kann jedoch nur funktionieren, wenn alle Akteure eine gemeinsame Stoßrichtung verfolgen“.


Ein ausführliches Portrait der Stadt Pfaffenhofen ist nachzulesen auf Kommunal Erneuerbar.
 

Sonntag, 26. November 2017

Deutliches Plus für Solaraktien


Der PPVX stieg letzte Woche um 1,3% auf 1.188 Punkte, der NYSE Arca Oil um 0,2%. Seit Jahresanfang 2017 liegt der PPVX mit +23,4% währungsbereinigt rund 36 Prozentpunkte vor dem Erdölaktienindex (-12,2%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind SolarEdge Technologies (+220%),Daqo New Energy(+176%) und Meyer Burger Technology AG (+173%). Die grössten Gewinner der Woche waren Daqo New Energy (+24%) und Shinsung E&G (+12%), die grössten VerliererJinkoSolar Holding(-9%) und SMA Solar Technology AG (-4%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 27,7 Mrd. Euro. Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+322%) rund 174 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +148%).

Vergrössern mit Klick auf Grafik und Tabelle !

Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu - Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at 

Quelle: oeko-invest.net 

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Samstag, 25. November 2017

pvtarif.ch zeigt Vergütungen

Ab dem 1.1.2018 tritt das neue Energiegesetz in Kraft, und damit auch die gesetzlichen Grundlagen der minimalen Vergütung für Stromeinspeisung aus Solaranlagen. Die VESE-Website pvtarif.ch hat dies gemacht, und stellt die Situation schweizweit dar.

Neu gelten die Gestehungskosten bzw. Beschaffungskosten der Netzbetreiber als Minimalvergütung. Um abzuschätzen, ob der Netzbetreiber den neuen Anforderungen genügt, empfiehlt das Bundesamt für Energie, die Vergütung mit den gültigen Haushaltstarifen für Strombezug zu vergleichen. Pvtarif.ch hat dies gemacht, und stellt die Situation schweizweit dar. Es zeigt sich, dass heute einige Netzbetreiber gerade mal 50% oder weniger ihres Energietarifs als Vergütung für den Solarstrom gewähren. Diese Netzbetreiber geraten jetzt unter Druck, die Vergütungen per 1.1.2018 anzuheben.

Auch mit dem am 1.1.2018 in Kraft tretenden Energiegesetz werden die Vergütungstarife der Verteilnetzbetreiber für Solarstrom weiterhin sehr unterschiedlich bleiben und somit für Diskussionstoff sorgen. Der Verband unabhängiger Energieerzeuger VESE betreibt seit 2 Jahren die Informationsseite pvtarif.ch mit den Einspeisevergütungen und Messkosten für Solarstrom von über 400 Netzbetreibern schweizweit.

Die Webseite wurde jetzt erweitert und bietet neu verschiedene weitere Möglichkeiten. An erster Stelle steht der aktuell sehr wichtige Vergleich zwischen dem Haushaltstarif und der Solarstromvergütung des jeweiligen Netzbetreibers. Dieser Vergleich kann, gemäss den im November publizierten Erläuterungen des Bundesamts für Energie, zur Bestimmung der Minimalvergütung der eingespeisten Energie herangezogen werden. Wie die entsprechende interaktive Karte von pvtarif.ch zeigt, weisen per Ende 2017 einige Netzbetreiber äusserst tiefe Vergütungen, im Bereich 40 bis 60% ihres Haushalttarifs, auf. Diese Netzbetreiber stehen jetzt in der Verpflichtung, ihre Rückliefertarife anzuheben, falls sie nicht mit dem neuen Gesetz in Konflikt kommen wollen.


Neu zeigt die pvtarif.ch auch die sogenannte Nettovergütung an, also die Vergütung nach Abzug der Kosten des Stromzählers: auch diese Karte zeigt erstaunliche hohe Unterschiede: in einigen Netzgebieten sind die Kosten des Stromzählers so hoch, dass am Schluss gerade mal 1 bis 2 Rp/kWh für den Anlagenbetreiber überigbleiben. In extremen Fällen wird dieser Wert sogar negativ, was heisst, dass der Anlagenbetreiber netto Geld zahlen muss, wenn er Energie einspeist. Die neue Webseite von pvtarif.ch bietet zudem weitere wichtige Anzeigen wie Leistungstaxen, Tariffahrpläne, und die Textsuche nach Gemeinde, Postleitzahl und Netzbetreiber. Ein API-Interface zur automatisierten Datenabfrage rundet das neue Angebot ab, und etabliert pvtarif.ch so zur einer unumgänglichen Informationsquelle sowohl für die Photovoltaikbranche als auch für die Energiepolitik.


• Nettovergütung: Vergütung nach Abzug der Messkosten >>


• Vergütung im Verhältnis zum H4-Haushaltstarif >>


• Tarif Energiebezug (H4-Haushaltstarif) >>


• Leistungstarif beim Energiebezug >>


www.pvtarif.ch

Quelle: VESE – Verband unabhängiger Energieerzeuger – eine Fachgruppe der SSES